Guide Tatoos und Onsen

Tätowierungen im Onsen?

Auf dem Weg ins heiße Bad kann es einen kalt erwischen: "No Tattoos!" steht da womöglich (auch auf Englisch) am Eingang. Und Tätowierungen können auf der Japanreise tatsächlich zum Problem werden. Dabei kommt die Popularität der aufwändigen farbigen Tätowierungen – auf einigen Umwegen – aus Japan!

 

Yakuza, die japanische Mafia

In Japan werden vor allem großflächige Tätowierungen mit den Schlägertypen der Yakuza und damit mit dem organisierten Verbrechen assoziiert. Zum typischen Erscheinungsbild der Gang-Mitglieder (oder jedenfalls der Leute fürs Grobe) gehört neben auffällig bunten Anzügen nämlich auch, dass sie am ganzen Körper tätowiert sind. Kein Wunder also, dass Hotelmanager Tätowierungen nicht gern in ihrem Wellness-Bereich sehen – auch weil Durchschnittsjapaner zwar fast nie mit Yakuza zu tun haben, aber genügend Yakuza-Filme gesehen haben, um über einen tätowierten Rücken zu erschrecken.

Das müsste Japanreisende eigentlich nicht betreffen, doch in den letzten Jahren gab es Kampagnen gegen Korruption und organisiertes Verbrechen, die u. a. dazu geführt haben, dass fast jedes öffentliche Bad den Zutritt mit Tätowierungen formell untersagt und sich damit vorbehält, zügig gegen Bandenmitglieder vorzugehen. Und weil Regeln in Japan ganz strikt eingehalten werden, gilt das zumindest technisch auch für einen einzelnen Gekko am Knöchel einer Touristin.

 

Talisman oder Stigma?

Eigentlich haben die Tätowierungen in Japan eine lange Tradition: Bereits in der Jômon-Zeit (vor 300 v. Chr.) und bei den Ureinwohnern Hokkaidôs drückten farbige Markierungen vor allem im Gesicht Stammeszugehörigkeiten aus und zeigten den Schutz der Götter an, aber schon unter dem Einfluss der chinesischen Zivilisation wurde dieser Brauch aufgegeben. In der Edo-Zeit ab 1600 wurden zuweilen verurteilte Verbrecher tätowiert, um sie sichtbar zu ächten.

Daraus entstand in einigen Gruppen am Rand der Gesellschaft der Brauch, sich selbst zu tätowieren, und parallel zu den technischen und stilistischen Fortschritten der Holzschnittkunst wurden auch die Tätowierungen immer elaborierter. Die Motive lehnten sich z. T. an die Holzschnitte an, und (teils illegal agierende) Tattoo-Meister gestalteten einen eigenen Kanon für Ganzkörper-Tätowierungen.

Die amerikanischen Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Besatzer nach Japan kamen, waren von den Körperbildern so fasziniert, dass die Technik in die USA exportiert wurde.

Heute gibt es auch in Japan öffentlich zugängliche Tattoo-Studios und auch „normale“ Japanerinnen und Japaner (allerdings wenige) lassen sich ein Tattoo stechen – aber angesichts der Preise und Wartelisten ist eine Tätowierung sicher kein typisches Souvenir von einer Japanreise.

 

Baden im Onsen trotz Tattoo-Verbot?

Auf direkte Fragen an der Rezeption wird man meist das Badeverbot für Tätowierte bestätigt bekommen, auch wenn man so gar nicht nach Yakuza aussieht – u. U. ist es eine bessere Option, die Tätowierung einfach zu verdecken, wenn sie es erlaubt. Je nach Größe ist das mit dem Onsen-Handtüchlein, einem Pflaster oder auch einer Klebekompresse gegen Muskelverspannungen (shippu 湿布) möglich, die es günstig in jedem Drogerieladen gibt. Eigentlich gehören auch diese Klebekompressen nicht ins Bad, aber man erregt damit in der Regel kein Aufsehen. Generell werden Tätowierungen bei westlichen Ausländern und vor allem auch Ausländerinnen etwas toleranter gehandhabt, aber es liegt letztendlich im Ermessen des Betreibers, ob er flexibel ist oder nicht. Die letzte Alternative ist ansonsten, ein Familienbad für eine bestimmte Zeitspanne zur Exklusivnutzung zu mieten, was in manchen Onsen-Hotels möglich ist.

 

Die Seite "Tattoo friendly" informiert übrigens über Onsen, in denen Tätowierte ohne Probleme Einlass finden, oder auch über die Strenge der Regeln verschiedener Onsen.

Die Onsen-Region Oita auf Kyushu hat eine eigenen Liste von Onsen, in denen man mit Tätowierung kein Problem bekommt: 100 Tattoo-allowed Hot Springs in Beppu, Japan

 

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