Führer Japanische Teezeremonie

Die japanische Teezeremonie – so geht's

 

Matcha ist grüner, also unfermentierter Tee, der zu Pulver gemahlen wurde. Japanreisende begegnen ihm meist in Süßigkeiten wie Matcha-Eis, Matcha-Kuchen oder auch Matcha-Kitkat. Doch ursprünglich wird der staubfein gemahlene Matcha-Tee vor allem für die japanische Teezeremonie benutzt. In einem streng festgelegten Ritual wird das Pulver mit wenig Wasser zu einem schaumigen Getränk aufgeschlagen und in förmlicher Runde getrunken.

 

Der Weg des Tees

 

Die klassische Teezeremonie (jap. „Weg des Tees“ – sado – oder einfach „das Teewasser“, cha no yu) gehörte bis vor einigen Jahren, ähnlich wie die Tanzschule in Europa, zur Grundausbildung besonders von japanischen Frauen. Heute gilt „der Tee“ eher als ein vornehmes Hobby älterer Damen, aber fast alle Japanerinnen und Japaner beherrschen die wichtigsten Grundregeln.

 

Teezeremonie im Freien

 

Zu einer klassischen mehrstündigen Teezeremonie (cha-ji) im Teehaus wird man persönlich eingeladen: Solche Teeparties finden im kleinen Kreis statt und sind sehr exklusiv – Kimono und eine eigene Gäste-Grundausstattung, wie weiße Socken, Fächer, Servietten, Tücher und ein kleines Messerchen zum Zerteilen der Süßigkeiten, sind Pflicht. Neben verschiedenen Runden Matcha-Tee – dünner Tee, dicker Tee – werden bei solchen Veranstaltungen auch ganze Mahlzeiten gereicht und Kunstobjekte oder der Garten betrachtet und diskutiert. Es gibt auch größere, öffentliche Veranstaltungen, an denen man (mit etwas Training) teilnehmen oder einfach den harmonischen Bewegungen bekannter Teemeister zusehen kann. Oft werden sie von den großen japanischen Tee-Schulen oder von Schreinen und Tempeln ausgerichtet. Doch wird man während einer Japanreise weniger Gelegenheit haben, an einer klassischen Teesitzung teilzunehmen. Dennoch gibt es in einigen Teegeschäften, Cafés oder in Workshops die Möglichkeit, eine vereinfachte Form der Teezeremonie kennenzulernen. Meist wird nur „dünner Tee“ (usucha) serviert, und man hält die oft vereinfachten Regeln für Gäste (s. u.) ein, so gut man eben kann.

 

Alte Pfade

 

Der grüne Tee kam Ende des 12. Jahrhunderts von China nach Japan und wurde anfangs, wegen des hohen Koffeeingehalts, von buddhistischen Mönchen als Wachmacher während der langen Meditationszeiten genutzt. Ritualisierte Formen, ihn zu trinken, entwickelten sich schon bald, aber erst im 16. Jh. wurde daraus die förmliche Teezeremonie, und seitdem bestehen die Abläufe fast in unveränderter Form fort. Damals nahmen auch christliche Missionare an den Teezeremonien teil, nicht zuletzt, weil die Tee-Zusammenkünfte Zugang zu den politisch und intellektuell einflussreichsten Männern des Landes ermöglichten. Der Teemeister Sen no Rikyu, auf den die heutige Form der Teezeremonie zurückgeht, soll sich bei einigen der ritualisierten Bewegungen von der katholischen Messe inspirieren lassen haben – manche Gesten sind schon recht ähnlich ...

 

Teeschale statt Fettnäpfchen – so geht's

 

Bei speziellen Tee-Veranstaltungen oder Tee-Workshops für Touristen wird Schritt für Schritt erklärt, was zu tun ist. Ein paar Grundprinzipien sind aber immer gleich und auch bei einer Schale Matcha im Gartencafé nicht fehl am Platz.

Matcha wird fast immer mit einer japanischen Süßigkeit, wagashi, serviert. Bei der klassischen Teesitzung isst man zuerst die Süßigkeiten (meist nur zwei, drei Bissen). Die Süße soll den Mund auf den etwas bitteren Teegeschmack vorbereiten und umgekehrt nicht den Teegeschmack überdecken: also nicht zum Tee oder nach dem Tee essen!

Ist die Süßigkeit aufgegessen, wird die Teeschale serviert. Die Gastgeberin oder der Gastgeber dreht beim Servieren die Keramikschale so, dass eine "Schauseite" zum Gast zeigt, oft ein auffälliges Muster.

 

 

Bevor man die Schale aber aufnimmt, wendet man sich mit einer kurzen Verbeugung den anderen Gästen zu, die mit im Teezimmer sind und entweder schon vorher Tee bekommen haben oder als nächstes dran sind: Die japanischen Floskeln heißen etwa "lassen Sie uns gemeinsam trinken" bzw.  "ich fange schon mal an".

 

Aus Höflichkeit dreht man nun die schöne Seite der Teeschale genau in die Gegenrichtung, zum Gastgeber bzw. von sich selbst weg. Die flache linke Hand waagerecht hochhalten, die Schale daraufstellen und mit rechts seitlich umfassen. Mit zwei Vierteldrehungen im Uhrzeigersinn drehen. Mit der gleichen Handhaltung, also mit beiden Händen an der Schale, trinkt man den Tee nun in wenigen Zügen aus. Hier ist das Reglement nicht so streng, man kann still trinken oder auch mal mit dem Nachbarn sprechen, die Teeschale bewundern und gern auch beim letzten Schluck ein bisschen schlürfen. Schließlich dreht man die Schale wieder auf der flachen Hand umgekehrt zwei Vierteldrehungen zurück (Schauseite zum Gast) und stellt sie in Richtung des Gastgebers ab.

 

Wichtiger als ängstlich auf korrektes Verhalten bedacht zu sein, ist aber jedenfalls, sich die philosophische Grundhaltung des „Tee-Wegs“ vor Augen zu halten: gegenseitiger Respekt ohne Beachtung äußerer Hierarchien, Bescheidenheit und Dankbarkeit, Höflichkeit und Gastfreundschaft, heitere Ruhe, Wertschätzung der Natur.

Im Zweifelsfall also lieber einmal mehr verbeugen, danken und lächeln. Und zur Ruhe kommen vom hektischen Alltag.

 

 

Adressen

 

Eine vereinfachte Teezeremonie (meist auf Englisch) kann man z.B. über folgende Adressen organisieren:

 

In Kyoto:

Fukujuen. Shijo / Tominokoji, Shimogyo-ku, Kyoto 600-8005. Tel: 075-221-2920. 

 

Im Zentrum Kyotos betreibt der Teeproduzent Fukujuen aus der Teeregion Uji ein mehrstöckiges „Tee-Haus“ mit mehreren Läden für verschiedene japanische Tees und natürlich auch Zubehör für die Teezeremonie. Im dritten Stock (4F) befinden sich ein japanisches Teezimmer und ein moderner Teeraum mit Tischen und Stühlen. Hier kann man an einer vereinfachten Teezeremonie teilnehmen, wahlweise im Knien oder in der modernen Variante am Tisch. Dabei wird auch gezeigt und erklärt, wie der Matcha richtig zubereitet und getrunken wird.

 

In Uji:

Kanbayashi, Ujirenge 2-27, Uji-shi, Kyoto Tel. 0774-21-2636,  tgl. 9.00–18.00 Uhr

 

Uji südlich von Kyoto ist eins der wichtigsten Teeangebote Japans, besonders der Matcha von hier gilt als besonders gut. Die drei roten Punkte, einst das Familienwappen, sind heute das Firmenlogo der Familie Kanbayashi, die seit 500 Jahren Grüntee in Uji produziert. Früher waren sie die Lieferanten der Tokugawa-Shogune. Über dem Teegeschäft ist ein kleiner Ausstellungsraum mit historischen Schriftstücken, alten Teedosen und Fotografien zu besichtigen, außerdem können Besucher unter Anleitung den Grüntee selbst zu Matcha vermahlen und anschließend mit dem Bambus-Teebesen aufschlagen. Keine formelle Teezeremonie, aber eine Anleitung zur Freude am japanischen Tee und zum Selbermachen zu Hause.

 

In Tokyo:

Cha-Ginza. 5-5-6 Ginza, Chuo-ku, Tokyo. Tel. 03-3571-1211. Öffnungszeiten (Café) Di–So 12–17 Uhr.

 

Der schmale Laden im Zentrum des Edel-Einkaufsviertels Ginza gehört zum seit über 80 Jahren bestehenden Familiengeschäft Uogashi. Die typisch japanische Kombination aus Tradition und Moderne wird hier zum äußersten getrieben: Das winzige Geschäft besteht aus Glas, Metall und Beton, die Räume sind minimalistisch und unverputzt. Auch hier wird über dem Teegeschäft Matcha mit wagashi serviert, und zwar trotz des postmodernen Designs in vollendetem Zeremoniell. Auf Wunsch gibt es hier auch hochwertigen Sencha (also "normalen" Grüntee in Blättern) als „Ocha-presso“ in einer Espressomaschine zubereitet.