Reisetipp Waldbaden Erholung auf Japanisch mit Shinrin Yoku

Waldbaden – der erholsame Trend aus Japan

 

Ob für einen Tagesausflug oder eine mehrtägige Tour durch atemberaubende Landschaften - Wandern ist weltweit ein beliebter Sport, um der Natur nahe zu sein, fit zu bleiben und nebenbei noch das ein oder andere Ausflugsziel zu entdecken. Für wen dabei jedoch die Entspannung und Naturverbundenheit im Vordergrund steht, sollte unbedingt den japanischen Trend „Waldbaden“ ausprobieren. Wer hierbei an schlichtes Spazierengehen oder Wandern denkt, liegt jedoch falsch, denn Waldbaden bietet viel mehr und hat sich in Japan bereits als Teil der Gesundheitsvorsorge etabliert.

 

Herbstlaub im Onuma Quasi National Park in Hokkaido, Japan

Herbstlaub im Onuma Quasi National Park, Hokkaido

 

Was hinter dem Trend Waldbaden steckt

 

Shinrin Yoku, so die japanische Bezeichnung für das Waldbaden, bedeutet so viel wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“. Es geht darum, sich intensiv auf die Natur um sich herum einzulassen und mit allen Sinnen auf Tuchfühlung mit dem Wald zu gehen. Ob Blätterrauschen, das Gefühl von Rinde unter den Fingern oder der Geruch von feuchtem Moos – der Wald steckt voller Eindrücke.

 

Wie gut das Waldbaden tut, wissen die Japaner jedoch schon länger, denn seit den 80er Jahren ist diese Praxis in Japan anerkannt und gehört zur Gesundheitsvorsorge. Japanische Universitäten bieten inzwischen sogar einen Forschungszweig zu Waldmedizin an. Dass Wälder eine ganz besondere Ruhe ausstrahlen ist allgemein bekannt, doch wissenschaftliche Studien haben darüber hinaus belegt, dass das „Baden im Wald“ Stress reduziert und das Immunsystem stärkt - in Zeiten von Digitalisierung und ständiger Vernetzung die perfekte Möglichkeit für ein Digital Detox, Abschalten und ganz viel Entspannung. Vom Meditieren in der Natur bis hin zum Lauschen des Windes in den Baumwipfeln, den Kontakt mit dem Wald kann man auf ganz vielfältige Weise erleben und die Erlebnisse sind von Wald zu Wald verschieden.

 

Spirituelle Erfahrung auf den Pilgerwegen des Kumano Kodo auf der Halbinsek Wakayama

Dichte Wälder umgeben die Pilgerwege des Kumano Kodo auf Wakayama

 

Warum Japan perfekt zum Waldbaden ist

 

Weshalb wurde gerade in Japan das Shinrin Yoku erfunden? Es könnte daran liegen, dass Japans Fläche zu ca. 67 Prozent aus Wald besteht - viel mehr als in Deutschland. So schön die Wälder hierzulande auch sind, Japans unglaubliche Wäldervielfalt hat durch ihre Größe doch so einiges mehr zu bieten. Möchte man die Tradition des Waldbadens an seinem Herkunftsort kennenlernen, findet man in Japan daher unzählige Möglichkeiten. Wer sich beim ersten Mal unsicher ist oder nicht alleine gehen möchte, ist ebenfalls in guten Händen. Da Shinrin Yoku im Land der aufgehenden Sonne schon länger praktiziert wird, gibt es dort zahlreiche Angebote für gemeinsame oder individuelle Touren und Kurse mit ausgebildeten „Waldbademeistern“.

 

Yanbaru Urwald auf Japans Urlaubsinsel Okinawa

Auch Japans Strandparadies Okinawa hat Wald zu bieten: Yanbaru National Park

 

Tagesausflug: waldbaden

 

Das volle Programm zum Waldbaden bietet beispielsweise der Chichibu Tama Kai National Park. Dieser ist ideal für Besucher der japanischen Hauptstadt auf der Suche nach einem erholsamen Tagesausflug, denn die Gegend am westlichen Rande von Tokyo ist schnell mit dem Zug erreichbar. Zwischen Bergen, Tälern und Wasserfällen kann man in Chichibu beim Wandern, Campen oder Klettern die beruhigende Wirkung der Natur intensiv genießen. Außerdem lädt die zum Park gehörige Okutama Forest Therapy Base mit verschiedenen Therapie-Waldwegen und eigens eingerichteten Sitzecken und Meditationsstationen professionell zum Entschleunigen ein. Mit zusätzlich ergänzenden Erholungsangeboten, wie Wald Yoga lässt sich die Entspannungserfahrung anschließend perfekt abrunden.

 

Waldbaden - die Therapie im Grünen

 

Zum Eintauchen ins Grüne wird der Erholungswald Akasawa Natural Recreational Forest von vielen Japanern besonders geschätzt. Der Wald in der Nagano Präfektur ist von Tokyo aus in etwas über vier Stunden mit dem Zug und kurzer Busfahrt zu erreichen. Zum einen gilt er als einer der schönsten Wälder Japans, zum anderen hat die Erholung im Wald hier Tradition, wurde der Wald als erster Japans zum „natürlichen Erholungswald“ ausgewiesen. Kennzeichnend für diesen Wald ist die Vielzahl an Hinoki-Scheinzypressen - ein japanischer Baum, der nur sehr selten in Europa zu finden ist. In Akasawa werden diese über 300 Jahre alt und überziehen den Boden mit ihren dicken Wurzeln. Der Akasawa Wald bietet als „Wald-Therapie-Zentrum“ mehrere Wanderpfade, geführte Wanderungen und Events. Neben den Wanderwegen zum individuellen Streifen durch die Natur können sich Besucher auf eine weitere Besonderheit freuen: Eine kleine Waldbahn fährt Naturverbundene mitten durch das grüne Gelände.

 

Shiratani Unsenkyo - der Ghibli Mononoke Wald auf Yakushima

Der Wald der Studio Ghiblis Prinzessin Mononoke inspirierte: Der Urwald in der Shiratani-Unsuikyo-Schlucht auf Yakushima

 

Shinrin Yoku in filmreifen Wäldern


Wer auf der Suche nach einem ganz besonderen Highlight unter Japans Wäldern ist, den führt die Reise nach Kyushu. Der Yakushima National Park liegt ganz im Süden Japans auf den Inseln Yakushima und  Kuchinoerabu-jima. Diese sind mit zahlreichen Fähren oder Flügen zu erreichen, von Kagoshimas Hafen aus kommt man in wenigen Stunden mit der Fähre dorthin. Die Anreise lohnt sich, denn moosbedeckte Wurzelgeflechte, über 1.000 Jahre alte japanische Bäume und hohe Berge erwecken hier eine einzigartig märchenhafte und zugleich inspirierende Atmosphäre zum Shinrin Yoku. So gilt der Wald auch als Inspiration für Hayao Miyazakis berühmten Film Prinzessin Mononoke. Das subtropische Japanklima im Yakushima Wald sorgt zusammen mit den feuchten, moosigen Gerüchen für besonders intensive Sinneseindrücke beim Waldbaden.

 

Waldbaden im Baummeer


Optimale Umstände fürs Waldbaden findet man im Aokigahara Wald: Ruhe, Abgeschiedenheit und unberührte Natur. Durch seine Lage am nördlichen Fuß des Mt. Fuji liegt der Wald nahe der beliebten Touristen-Route und ist somit perfekt geeignet für einen erholsamen Abstecher ins Grüne. Besuchern erschließt sich bereits auf den ersten Blick, weshalb der Aokigahara häufig Baummeer genannt wird, denn zahlreiche japanische Bäume wie Hinoki-Scheinzypressen und Hemlock-Tannen reihen sich hier dicht aneinander. Zusammen mit dem überwucherten, moosigen Untergrund schlucken sie viele Geräusche und bieten Besuchern somit eine ganz besondere Stille, die ideale Umgebung für Tiefenentspannung beim Shinrin Yoku. Aufgrund seiner Eigenschaften birgt der Aokigahara leider auch eine dunklere Seite, da seine besonders entlegenen Ecken vermehrt Ziel suizidaler Menschen sind. Dennoch steckt der Wald voller Leben, denn er beheimatet unzählige Raritäten und endemische Tierarten wie Kragenbären, Maulwürfe oder seltene Schmetterlings- und Vogelarten. So lässt sich beim Waldbaden gleichzeitig auch die unglaubliche Artenvielfalt mit vielen Sinnen entdecken.

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