Führer Sumo

Der japanische Nationalsport ist Sumo – eine Sportart tief verwoben mit Tradition und Religion.

Sumo-Turniere finden sechsmal im Jahr statt, und wenn es zeitlich passt, sollte man versuchen, einen Besuch in die Japanreise zu integrieren !Was im ausländischen Fernsehen vielleicht als eine Art Wrestling von Megadicken herüberkommt, hat in Japan eine lange Geschichte und viel kulturellen Hintergrund. Und übrigens eine durchaus kultivierte und sehr heterogene Fangemeinde.

 

Ursprünglich wurden in den Shinto-Schreinen Ringkämpfe zu Ehren der Götter durchgeführt, später auch am Kaiserhof – denn der Kaiser galt ja auch als Gott. Erst in der Edo-Zeit (1600-1868) entwickelte sich Sumo zu einem Sport mit festgelegtem Regelwerk. Der religiöse Hintergrund ist aber heute noch sichtbar, über dem Sumo-Ring hängt ein Schrein-Dach, die Ringrichter tragen Kleidung ähnlich der ranghoher Shintopriester, und der Ring wird mit Salz rituell gereinigt. Zwischen den offiziellen Turnieren gibt es auch öfters Sumo-Wettkämpfe auf dem Gelände von Schreinen, z. B. im April am Yasukuni-Schrein in Tokyo.

 

Sumo der Götter

Im Kojiki, einem halbfiktionalen Geschichtsepos aus dem 8. Jh., wird der erste Sumo-Kampf Japans beschrieben: Die japanischen Götter sollten das Land in Besitz nehmen, das bisher noch einem anderen Gott namens Ôkuninushi gehörte. Der ließ seine Söhne entscheiden, ob sie es herausgeben wollten, und einer der beiden verlangte zumindest einen Ringkampf. Diesen ersten Sumo-Wettbewerb gewann der japanische Athlet, der Donnergott Takemikazuchi – allerdings nur, indem er seine Hand in ein Schwert verwandelte, es war also in Wirklichkeit eher eine Art Zauberwettkampf.

 

Regeln und Techniken beim Sumo

Zaubern gilt natürlich heutzutage nicht, doch die Regeln beim Sumo sind denkbar einfach. Der Ring ist mit einem runden umlaufenden Seil markiert – wer entweder außerhalb dieser Fläche den Boden berührt, oder überhaupt mit einem anderen Körperteil als der Fußsohle innerhalb des Rings aufkommt, hat verloren. Die Techniken, mit denen man den Opponenten aus dem Ring drücken oder hinwerfen kann, sind allerdings erstaunlich vielfältig.

 

Ränge und Turniere

Es gibt keine unterschiedlichen Gewichtsklassen, sondern nur Abteilungen oder Ligen, deren höchste Makunouchi heißt. Innerhalb der Liga gibt es Ränge für erfolgreiche und verdiente Sumo-Ringer (rikishi, 力士), der höchste Rang ist Yokozuna. Es ist der einzige Rang, den man nicht automatisch bekommt. Er wird an besonders verdiente Ringer auf Lebenszeit verliehen. Seit Jahren sind das übrigens meist mongolische oder hawaiianische rikishi – der letzte japanische Yokozuna war Takanohana (bis 2003).

 

Die Makunouchi-Kämpfe werden immer im nationalen Fernsehsender NHK übertragen. Für das Turnier werden die rikishi in zwei Gruppen zu je 15 unterteilt, aber es geht nicht um einen Gesamtsieg dieser Gruppe, sondern um den Erfolg des Einzelnen. Im Laufe der 15 Turniertage kämpft jeder rikishi der einen Gruppe gegen jeden aus der anderen Gruppe. Turniersieger ist derjenige mit den meisten Siegen.

 

Turniere und Tickets

Turniere (basho) finden immer in den ungeraden Monaten statt, und zwar im Januar, Mai und September in Tokyo, sonst in Osaka (März), Nagoya (Juli) und Fukuoka (November). Die teureren Plätze nahe am Ring sind zwar oft ausgebucht, aber oben in den Stuhlrängen ist es auch am Turniertag möglich, spontan einen Platz zu bekommen. Die Kämpfe der unteren Ligen beginnen bereits vormittags, das Ticket gilt für den ganzen Tag. Das Turnier der Makunouchi-Liga beginnt gegen 15.50 Uhr mit dem zeremoniellen Einzug der rikishi. Infos, Termine und Tickets auf der Homepage des japanischen Sumoverbands Nihon Sumo Kyokai: Official Grand Sumo Home Page.

 

Unser Tipp: Auch wenn kein großes Turnier stattfindet wird trainiert. Um ganz Nah dran zu sein, besucht ein Sumo-Morgentraining in einem der Sumoställe in Ryogoku in Tokyo. (Hier befindet sich auch das Sumo-Museum.) Verschiedene Anbieter haben schon vorab buchbare Touren zum Morgentraining mit Einblicken in den Sumo-Betrieb im Programm (z.B. H.I.S., Viator oder Voyagin).