Japan – Dos & Don’ts im Überblick Der kleine Japan-Knigge für den stressfreien Japan Urlaub von Angela Troisi

13. Januar 2021

 

Beim Studium der Japanologie hat sich unsere Digital Marketing-Expertin Angela Troisi sehr auf die kulturellen Eigenheiten der japanischen Gesellschaft konzentriert. Das Wissen hat ihr auf Japanreisen dann geholfen, Japan noch viel näher kennenzulernen. Warum ein bisschen Vorbereitung nicht schaden kann und einzigartige Erlebnisse ermöglicht, erzählt sie uns heute.

 

 

Keine Scheu vor Japan - Die wichtigsten Dos & Don'ts

 

Von Tischmanieren bis hin zum richtigen Verhalten im Zug – manchmal gibt es einfach kulturelle Unterschiede und gesellschaftliche Normen, die man als Ausländer nicht kennen kann und das Unwissen kann einen in das ein oder andere Fettnäpfchen treten lassen. Manchmal hilft es einfach zu wissen, wie man sich im Reiseland an der Haltestelle anstellt oder ob Trinkgeld üblich ist. Japan ist ja nun auch nicht irgendein Reiseland. Gerade als Europäer zieht es einen nach Japan, weil dieses faszinierende Land seine eigenen Traditionen bewahrt hat, weil vieles auf uns exotisch und fremd wirkt. Dieser Reiz kann auf den ersten Blick aber eben auch Sorge bereiten: Werde ich zurechtkommen?

 

Deshalb die Entwarnung gleich am Anfang: Japan ist ein sehr gastfreundliches Land und Japaner oft viel aufgeschlossener, als es aus der Distanz den Anschein hat. Niemand hier geht davon aus, dass ein Reisender aus Europa die Sprache spricht oder sich mit den Feinheiten japanischer Benimmregeln auskennt. Fehltritte werden einem nicht sonderlich übel genommen und an vielen Orten, wo bestimmtes Verhalten auf jeden Fall erwartet wird, wird mit Piktogrammen und an Touristenorten auch auf Englisch deutlich darauf hingewiesen.

 

Also keine Angst! Allzu schwer ist es nicht.

 

​Tieferer Zugang und unvergessliche Erinnerungen

 

In meiner Erfahrung jedoch – und das gilt nicht nur für Japan, sondern eigentlich für all die vielen Länder, die ich bisher bereist habe – macht ein bisschen Vorarbeit oft einfach den kleinen aber feinen Unterschied. Kulturelle Vielfalt ist ja gerade das faszinierende am Reisen und wer im Gasgeberland zeigt, dass er sich ein bisschen informiert hat, der wird oft noch herzlicher empfangen.

Das gilt für Japan noch in ganz besonderem Maße, eben gerade, weil viele Japaner nicht erwarten, dass man als Ausländer Bescheid weiß. Da können kleine, vorher gelernte Begrüßungsfloskeln und Gesten, eine erwiderte Verbeugung oder das korrekte Verhalten im Ryokan schnell das Eis brechen. Viele kleine Begegnungen mit Japanern haben sich bei mir sehr eingeprägt, weil mir oft schon für ein kleines Zeichen des gegenseitigen Interesses eine Menge Herzlichkeit entgegenschlug – und mir damit einhergehenden Reisetipps, Gespräche, manchmal auch Freundschaften zuflogen. Wer also etwas mehr Zugang zu Japan sucht oder einfach eine stressfreie Japanreise haben will, der kann sich ein paar kleine Dos & Don’ts merken, die auf jeden Fall helfen werden.

 

Viele Tipps findet ihr auch in unserem Yotutbe-Video zum Thema:

 

 

​Begrüßung – Abstand halten!

 

Wo wir zur Begrüßung zumindest vor Corona die Hände schüttelten, verbeugt man sich in Japan. In den meisten Situationen ist eine höfliche Verbeugung (nicht zu angedeutet und auch nicht zu tief, weil das eine sehr hohe Stellung des anderen bedeutet) eine angemessene Begrüßung.

 

Im Allgemeinen ist Körperkontakt in Japan unüblich. Selbst Liebespaare wird man selten eng umschlungen durch die Straßen laufen sehen. Begrüßungsküsse, Umarmungen und Händeschütteln könnten sehr unwillkommen sein – es gilt also besser Abstand zu halten und dem Gegenüber nicht unangenehm zu überrumpeln.

 

​Japan ist leiser

 

Einige meiner japanischen Freunde empfinden Deutschland als unglaublich laut. Und damit meinen sie nicht etwa den Straßenlärm – sondern uns Deutsche und wie wir reden, kommunizieren, lachen und uns überall laut unterhalten. Japan ist einfach leiser.

 

Während man sich im Zug mit möglichst leiser Stimme unterhalten kann, ist das laute Sprechen am Handy in Zügen und Bussen generell verpönt und überall wird darauf hingewiesen, dass man auch Klingeltöne im Zug ausschalten sollte, um andere nicht zu stören. „Manner Mode“ (auf Japanisch „manaamoodo“) heißt der Vibrationsmodus des Mobiltelefons, also „Manieren Modus.“

 

Das Leisesein gilt sogar für lautes Niesen: In Japan wird das eher unterdrückt und man vermeidet auch das Schnäuzen. (Schniefen, was mir am Anfang sehr befremdlich vorkam, hört man dagegen gerade zur Frühlingszeit mit Pollenflug überall. 😆)

 

​Allgemeine Essensetikette – von Stäbchen bis Suppe schlürfen

 

Laut sein darf man hingegen an einer Stelle, wo uns beigebracht wurde, dass man nichts hören sollte: Beim Essen. Suppe schlürfen und gerade Ramen Nudeln laut zu schlürfen, das ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht und gehört auch einfach dazu. Man muss nicht selbst schlürfen, aber sollte auch nicht schlecht von Einheimischen denken, die es tun.

 

Wenn man in einer Gruppe mit Japanern essen gehen sollte, fängt man in der Regel erst an zu essen, wenn jeder sein Essen vor sich stehen hat. Gerichte zum Teilen zu bestellen ist in Japan durchaus üblich und jeder nimmt sich vom gemeinsamen Gericht auf einen eigenen Teller. Es gehört zum guten Ton, zu fragen, ob man den letzten Bissen von den gemeinsamen Gerichten nehmen darf. Übrig sollte übrigens nichts bleiben – das würde dem Koch signalisieren, dass es nicht geschmeckt hat und das gilt als sehr unhöflich.

 

Zwei wichtige Floskeln beim Essen in Japan sind „itadakimasu“ - vor dem Essen gesagt, was so viel bedeutet wie „Ich freue mich, diese Mahlzeit zu erhalten“ - und „gochisosama desu“, nach dem Essen gesagt, was sehr frei übersetzt „Danke für das Essen“ bedeutet.

 

 

Gegessen werden japanische Gerichte üblicherweise mit Stäbchen. Japan Digest hat hier einen schönen Guide, wie man richtig mit Stäbchen isst.

 

Do: Wichtig ist, dass man die Stäbchen nicht auf der Schale ablegt, sondern auf die dafür vorgesehenen kleinen Keramikstege, die zum Gedeck gehören.

 

Don’t: Auf keinen Fall die Stäbchen aufrecht in den Reis stecken. Da vergeht japanischen Gästen der Appetit, da es sich um ein Begräbnisritual handelt.

 

Sushi-Knigge

 

Sushi wird in Japan entweder mit Stäbchen oder mit den Händen gegessen. Es handelt sich dabei um einen regionalen Unterschied: In Westjapan (zum Beispiel in Osaka und Hiroshima) werden Stäbchen verwendet, in Ostjapan (Tokyo) eigentlich die Hände. Dies ist jedoch keine feste Regel, und viele Japaner verwenden je nach Situation beide Methoden zum Essen. Als Reisender darf man es sich also aussuchen. Was wir Europäer oft nicht wissen: der Sushi-Reis sollte nicht direkt in die Sojasauce getaucht werden – sondern die Seite mit dem Fisch. Wasabi wiederum mischt man in Japan nicht direkt in die Sojasauce, sondern würzt getrennt mit beiden. Diese Regeln werden in erstklassigen Sushi-Lokalen streng eingehalten. Wer sich nicht in die Nesseln setzten will, kann sich in Fließbandrestaurants und Ketten auch einmal einen „Fehltunker“ erlauben.

 

​Trinkgeld

 

Eine wichtige Frage im Restaurant und Hotel ist oft, ob Trinkgeld erwartet wird oder nicht. Die Antwort ist: in Japan gibt man kein Trinkgeld! Der Gute Service gehört mit japanischer Selbstverständlichkeit dazu.

 

Guides und Busfahrer, auch direktere Gastgeber freuen sich eher über ein kleines Geschenk. In Japan sind „omiyage“ Teil der Kultur und auch Geschäftspartner bringen zu Terminen solche lokal angehauchten Geschenke mit. Wer sich also erkenntlich zeigen möchte, kann ein schön verpacktes Geschenk aus der Heimat mitbringen. Gerade lokale Spezialitäten sind immer beliebt.

 

​Haus, Ryokan, Tempel oder Schlösser - Schuhe bleiben an der Tür

 

In japanischen Häusern gibt es am Eingangsbereich einen Ort mit kleiner Stufe. Bevor man über diese Stufe endgültig die Innenräume betritt, zieht man die Schuhe aus. Wer im klassischen westlichen Hotel übernachtet, wird dem nicht unbedingt begegnen, doch auch in Innenbereichen von Ryokans, bestimmten japanischen Restaurants und Tempeln und Schlössern gilt die Regel und man wird am Eingang dazu aufgefordert seine Schuhe auszuziehen. Also, Tipp: Nicht ausgerechnet die durchlöcherten Schmuddelsocken anziehen.

 

Innenbereich des Tamaki Jinja Schreins mit Tatami-Matten

 

Es ist höflich, beim Eintreten in ein Privathaus oder Ryokan „ojamashimasu“ zu sagen, was so viel bedeutet wie „Entschuldigung für das Hereinplatzen“.

 

Ein paar Tipps zum richtigen Verhalten im Ryokan haben wir auch schon einmal hier zusammengestellt.

 

​Anstellen!

 

Es gehört zum guten Ton, sich schon vor Einfahren des Zuges am Bahnsteig so anzustellen, dass zunächst aussteigende Fahrgäste ungehindert die Bahn verlassen können. An vielen Bahnsteigen ist genau angeschrieben, wo die Türen sich beim Halten des Zuges befinden werden. So ist es einfach, sich richtig anzustellen und oft auch sehr einfach, schon vor Einfahren des Shinkansen den richtigen Wagen zu finden, falls man eine Sitzplatzreservierung hat.

 

Auch an vielen anderen Orten lohnt es sich in Japan, sich einfach einmal anzustellen. Gerade bei Restaurants und Imbissen ist eine Schlange meistens ein guter Hinweis auf gutes Essen, denn Japaner sind bereit, für richtig gute Dinge auch einfach mal geduldig anzustehen.

 

​Nützliche Redewendungen für die Japanreise

 

Es lohnt sich ein paar Brocken Japanisch zu lernen. Ein paar Floskeln, die auf einer Reise ganz nützlich sein können, um das Eis zu brechen sind, Worte wie „Guten Tag“ (Konnichiwa) und „Auf Wiedersehen“ (Sayonara) und „Tschüß“ (Ja mata) und natürlich wichtige Worte wie „Entschuldigung“ (Sumimasen) und „Danke“ (arigato gozaimasu oder einfach arigato). Eine sehr häufige Höflichkeitsfloskel, die man oft hören wird ist auch „yoroshiku onegaishimasu“. Man benutzt sie besonders, wenn man neue Leute trifft, oder wenn man jemanden um etwas bittet. Es ist sehr schwer direkt zu übersetzten, aber bedeutet je nach Kontext etwa, „Danke, dass sie sich darum/um mich kümmern“.

 

​Eure Tipps?

 

Gibt es noch Tipps, die ihr anderen unbedingt geben würdet, wenn sie nach Japan reisen wollen? Welches Fettnäpfchen habt ihr nicht ausgelassen? Und gibt es Floskeln, die euch sehr weitergeholfen haben? Kommentiert unseren Facebook-Post oder sendet eine DM auf Instagram @japantourismus. Ich antworte dort gerne selbst auf eure Kommentare!

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