Reisetipp: Hokkaido Ainu – Das sind die Ureinwohner Japans mit nur vier Buchstaben Unbekanntes Japan

Wer gerne Kreuzworträtsel löst, dem ist die Frage „Ureinwohner Japans 4 Buchstaben“ sicherlich schon des Öfteren aufgefallen. Japanische Ureinwohner? – Wer und welche Kultur verbirgt sich dahinter?
 

Die Ureinwohner Japans, die auf der nördlichsten der vier Hauptinseln leben, heißen Ainu. Nach genetischen und anthropologischen Untersuchungen sind sie die direkten Nachfolger der prähistorischen Jōmon-Kultur, deren Angehörige in der Zeit von 14.000 v. Chr. Bis 300 v. Chr. in Japan lebten. Das Wort Ainu bedeutet übersetzt „Mensch“, heute nennen sich die Indigenen gerne auch Utari was in der Ainu-Sprache „Kamerad“ bedeutet.

 

Die japanische Minderheit hat sich vor allem auf der japanischen Insel Hokkaido, den Kurilen Inseln und der Insel Sachalin, die heute hauptsächlich zu Sibirien gehört, niedergelassen. Insgesamt 25.000 bis 200.000 Menschen leben heute in Japan, die sich offiziell als Ainu bezeichnen.

 

Japanische Ureinwohner und ihre lange Geschichte

 

Das indigene Volk hat eine lange Geschichte hinter sich, denn sie waren nicht immer so beliebt und bekannt in Japan wie heute im 21. Jahrhundert. Die ersten Aufzeichnungen, in denen von den Ainu zu lesen ist, stammen aus dem Jahr 1264. Damals marschierten die Ainu in das Land der Nivkh ein, welches zu der Zeit zu China gehörte und von dort regiert wurde. Im 13. Jahrhundert hatten die Ainu dann aktiven Kontakt zu den Wajin, der damals stärksten ethnischen Gruppe in Japan. Allerdings kam es in der Muromachi-Zeit zu einem Krieg der beiden Völker, bei welchem das Oberhaupt der Ainu getötet wurde. In der Edo-Zeit begannen die Ainu sich wieder mit anderen Völkern und ethnischen Gruppen auszutauschen und mit ihnen einen Handel einzugehen. Das Schicksal der Ainu nahm im 19. Jahrhundert seinen Lauf, als die Matsumae auf der damals noch Ezo benannten Insel Hokkaido Fischereihäfen einrichteten und die Ainu, als ehemalige Jäger und Sammler, dazu verpflichtet wurden auf Fischerbooten und in Häfen zu arbeiten. Als die Insel 1869 ein Teil Japans wurde, durften sich Japaner auf Hokkaido ansiedeln und niederlassen. Die Versuche, den Ainu Land zuzuteilen und sie zu Bauern zu machen scheiterten. Im Folgenden wurde die traditionelle Ainu-Kultur durch den aufkeimenden japanischen Nationalismus immer mehr unterdrückt. Bei Interesse gibt es hier weitere Informationen: Die versteckten Ureinwohner Japans.

 

Traditonelle Ainu-Tänze

 

Anerkennung als kulturell eigenständiges indigenes Volk im 21. Jahrhundert

 

Erste staatlich gestützte Rekonstruktionsversuche gab es in den 1970er-Jahren. Ein Motiv war unter anderem, den Tourismus in Japan zu fördern. Lange Zeit galt die Sprachregelung, es gäbe in Japan schlichtweg keine Minderheiten. Heutzutage sind die Ainu jedoch wieder eine anerkannte Minderheit. Weitere Informationen findet ihr hier.

 

Auftreten der Ainu Bevölkerung

 

Optisch heben sich die Ureinwohner Japans etwas von den Japanern ab. Sie haben beispielsweise einen helleren Teint, größere Augen und größere Ohren sowie eine abgeflachte Nase. Die Haare der Ainu sind meistens schwarz und werden von Männern sowie Frauen gleich frisiert: seitlich werden die Haare auf Schulterhöhe getragen und nach hinten sind sie zu einem Halbkreis abgerundet. Da es den Männern ab einem gewissen Alter verboten wird sich zu rasieren, tragen diese meistens einen langen Bart. Die Frauen haben typischer Weise ebenfalls einen kleinen 'Bart' auf der Oberlippe, in Form einer Tätowierung aus Ruß. Dieses Tattoo soll die Verbildlichung zu einer erwachsenen Frau darstellen und ist die Voraussetzung für eine Hochzeit. Gekleidet waren die Ainu in eine schlichte Robe mit glatten Ärmeln, die um den Körper gewickelt und in der Taille mit einer Schnur befestigt wurde. Die Ärmellänge ging bis zu den Unterarmen und Handgelenken, die Rocklänge reichte bis zu den Kniekehlen. Später trugen die Frauen japanische Unterwäsche unter der Robe. In den kalten Wintermonaten wurde die Robe um Tierfelle, Leggings aus Hirschhaut und mancherorts um Schuhe aus Hunde- oder Lachshaut erweitert. Sowohl Männer als Frauen trugen zudem Ohrringe und Ketten als Schmuck zur Robe. Bei besonderen Anlässen wurde der Schmuck durch weitere Ornamente und Gegenstände festlich. Die traditionelle Kleidung der Ainu wird „attusi“ oder „attush“ genannt und ist aus der inneren Rinde einer Ulme gesponnen.

 

Das Ainu-Museum

 

Zusammenleben der Ainu

 

Die Ainu lebten in kleinen Schilf-bedeckten Hütten mit einer maximalen Größe von sechs Quadratmetern. Es gab keine Raumaufteilung und in der Mitte der Hütte befand sich eine Feuerstelle mit einem offenen Abzug im Dach. Die Ainu lebten und schliefen auf selbstgebastelten Matten, die in der ersten Schicht aus Binsen und in der zweiten Schicht aus Sumpf-Schwertlilien bestanden. Begehbar war die Hütte durch zwei Türen sowie ein Fenster in Ostausrichtung, durch das Licht in die kleine Unterkunft schien.

 

Als Jäger und Sammler ernährte sich das Ainu Volk hauptsächlich von Fleisch, beispielsweise von Bären, Füchsen, Wölfen und Dachsen, sowie von Fisch und Geflügel. Aber auch Beeren, Gemüse, Wurzeln und Kräuter standen auf dem Speiseplan. Bemerkenswert für die Ureinwohner Japans ist, dass das Fleisch und der Fisch nie roh gegessen wurden, sondern immer gekocht oder gebraten wurden.

 

Die Kultur der Ainu – Religion und Glaube

 

Die Bevölkerung der Ainu ist sehr gläubig und bezeichnet sich typischerweise als Animisten. Animismus wird auch als „Allbeseeltheit“ bezeichnet, da jede natürliche Erscheinung sowie Gegenstände, von der Sonne, dem Mond, dem Donner, dem Wind, dem Wasser und dem Feuer bis hin zu Tieren, Anlagen und Werkzeugen, als von einem Gott bewohnt bezeichnet werden. Der traditionelle japanische Ureinwohner glaubt, jede Erscheinung könne ein verkleideter Gott mit guten oder negativen Eigenschaften sein, auch sie selbst. Durch Opfergaben oder zeremonielle Tänze versuchen Gläubige die guten Götter zu erfreuen oder die schlechten zu verscheuchen. Das „Zurücksenden der Götter“ in die Geisterwelt war eine der besonders wichtigen Handlungen: Wurde ein Tier getötet und gegessen, war ein Gegenstand defekt oder wurden Dinge durch eine Verbrennung zu Asche, so mussten die darin wohnenden Götter von den Menschen zurückgesandt werden. Als wichtigste Götter wurden der „Kamui Fuchi“, die Gottheit der Feuerstelle, der „Kim-un Kamui“, die Gottheit der Bären und Berge und der „Repun Kamui“, die Gottheit der See, des Fischens und der Meereslebewesen bezeichnet.

 

Ainu Handwerk im Lake Akan Ainu Kotan

 

Der Bärenkult, ein zentrales Ritual des klassischen Schamanismus, zu dem auch die Religion der Ainu gerechnet wird, hatte zudem eine zentrale Bedeutung in der Ainu-Kultur. Bei diesem Glauben handelt ist der Bär das wichtigste Tier in der Natur. Dieser Glaube bezeichnet den Bären als den Weg des Gottes „Kim-un Kamui“, um den Menschen Nahrung zu bringen. Auf Grund des Ethnozids durch die Japaner wird diese traditionelle Ainu-Religion heute jedoch kaum noch praktiziert. Zwar besteht die traditionelle Verehrung der Bären fort, sie wird allerdings ausschließlich als Touristenattraktion umgesetzt. Auch die rituellen Tänze, die heute wieder vermehrt gepflegt werden, dienen eher den Zuschauern und Touristen als das sie primär noch einen religiösen Hintergrund haben.

 

Sprache und Schrift der Ainu

 

Die Sprache der Ainu steht heutzutage kurz vor dem Aussterben - die ursprüngliche Sprache der Ainu wird heutzutage nur noch von weniger als fünfzehn Menschen gesprochen. Diese sind jedoch bereits alle über 60 Jahre alt, weshalb befürchtet wird, dass die Sprache, trotz jüngster Versuche der Wiederbelebung, in den nächsten Jahren aussterben wird. Da die Sprache nicht mit dem Japanischen verwand ist, auch keiner weiteren Sprache ähnelt oder verwandte Sprachen aufweist, gilt sie als eine „isolierte Sprache“. Auch im Schriftsystem gibt es keine dokumentierten Überbleibsel der Ainu Sprache, da diese nur in entweder kyrillischen oder japanischen Schriftzeichen überliefert wurde.

 

Reisetipps: Hier könnt ihr während eurer Reise durch Japan mehr über die Ainu erfahren

 

Kawamura Kaneto Ainu Memorial Museum

 

Die noch existierende Gemeinschaften der Ainu bewahren ihre Geschichte und die Spuren ihrer Bevölkerung. Einer dieser Orte ist beispielsweise das Kawamura Kaneto Ainu Memorial Museum in Asahikawa. Hier können Interessierte mehr über die Ureinwohner von Hokkaido, ihre Traditionen, ihre Geschichte und ihre anhaltende Präsenz in der Region erfahren. Das Museum in der zweitgrößten Stadt von Hokkaido Japan bewahrt das kulturelle Erbe des indigenen Volkes. Neben Werken des berühmten Ainu-Skulpturenkünstlers Bikky Sunazawa wird die Holverarbeitung der Ainu, die nach der japanischen Annexion zu einem selbstständigen Unternehmen wurde, aufgezeigt. Ebenso stellt das Museum eine Vielzahl an Kulturgütern und Artefakten, die die Ainu in ihrem Zusammenleben genutzt haben, zur Schau.

 

Ainu-Kulturförderungszentrum

 

Im Ainu-Kulturförderungszentrum in Sapporo stehen an die 300 Kunstgegenstände, Kleidungsstücke und Werkzeuge der Ainu und geben einen Einblick in die Kultur des indigenen Volkes. Ausgestellt sind beispielsweise der Nachbau eines Fischerboots, traditionelle Schnitzereien sowie Denkmäler und es kann sogar die Aussprache der Ainu-Begriffe erlernt werden. Zudem können Interessierte an Workshops teilnehmen, bei denen ihnen vom Sapporo-Zweig des Ainu-Verbands beigebracht wird wie traditionelle Stickereien entstehen.

 

Upopoy National Ainu Museum & Park

 

Im Juli 2020 wurde nach etwas Verzögerung die neue Begegnungsstätte Upopoy National Ainu Museum & Park für Besucher eröffnet. Upopoy bedeutet in der Ainu-Sprache „In einer großen Gruppe singen“, und bezeichnet eine der wichtigsten Traditionen der Ainu. Der 8.600 Quadratmeter große Park ist das erste japanische Nationalmuseum, das den Ureinwohner Japans gewidmet ist. Ziel des Museums ist es Besucher mit der Geschichte und Kultur der Ainu vertraut zu machen, die bisher in der japanischen Geschichte und Öffentlichkeit zu kurz kamen, und dabei zu helfen, die Zukunft der Ainu-Kultur zu sichern. Hier befindet sich auch ein interaktives Freiluftzentrum, in dem Besucher die Ainu-Kultur mit allen Sinnen erleben können, z.B. in einer Werkstatt für Ainu-Kunsthandwerk und einer Rekonstruktion eines Ainu-Dorfes in traditioneller Bauweise.

 

Furano mit Daisetsuzan im Hintergrund

 

Vulkanberg Daisetsuzan

 

Die Ainu haben großen Respekt vor der Natur und verehrten die wunderschöne Landschaft von Hokkaido. Besonders heilig ist den Ainu der Berg Daisetsuzan, mit über 2.000m Höhe der höchste Berg der Insel. Der Vulkanberg ist auch als „Spielplatz der Götter“, auf Ainu “Kamui Mintara”, bekannt. Um den Ainu näher zu kommen kann der Berg heute von Besuchern der Region erklommen werden. Im Winter werden gerne Skitouren und Schneeschuhwanderungen gegangen oder Ski und Snowboard gefahren. In den Sommermonaten ist der Vulkanberg ein beliebtes Wanderziel. So kann die Verehrung der Ainu für ihr Heimatland wertgeschätzt und ein tieferes Wissen und Verständnis über die Geschichte der Hokkaido-Ureinwohner angeeignet werden.

 

Marimo Matsuri

 

Die tänzerische Kultur der Ainu der kann während dem traditionellen Fest zu Ehren der skurrilen Marimo-Alge des Akan-Sees erlebt werden, dem Marimo Matsuri. Zu dem Fest der Marimo-Alge stellt die Ainu-Gemeinschaft ihre traditionellen Tänze dar um der Zeremonie mehr Leben einzuhauchen. Nachdem die Marimo-Alge durch einen Ainu-Priester gesegnet wurde beginnt eine Parade mit 1000 Fackeln und der Darstellung der Ainu-Tänze. Das Fest findet jeden Oktober statt und ist eine seltene Gelegenheiten um die Bräuche des indigenen Volks der Ainu zu erleben und ihrer volkstümlichen Musik zu lauschen.