Übernachten im traditionellen japanischen Gasthaus: Kominka von Lukas Brehm

25. November 2021

 

Lukas berät im JNTO Büro in Frankfurt Beratung zu allen Fragen rund um Japan und Japanreisen. Bei seinen eigenen Aufenthalten in Japan hat er zuletzt häufiger in alten japanischen Häusern übernachtet, die ein großes Interesse und vielleicht auch etwas unrealistische Auswandererfantasien in ihm geweckt haben.

 

Immer wenn ich nach Japan reise, bin ich besonders fasziniert von den alltäglichen Dingen, die einem dort begegnen, und die einerseits vertraut sein sollten, aber dann doch auf eine ganz besondere Art und Weise anders sind, als man es von zu Hause gewohnt ist. Eines der Dinge, bei denen dieser Effekt für mich am stärksten ist, sind die Häuser in Japan. Denn neben den international-urban geprägten Hochhäusern und Gebäuden in den Stadtzentren gibt es in den Vorstädten und auf dem Land diese typisch japanischen Einfamilienhäuser, die eben einfach immer irgendwie anders aussehen als die in meiner Nachbarschaft in Deutschland. Und neben den modernen alltäglichen Varianten dieser Häuser gibt es noch etwas anderes: die Kominka.

 

Ein Machiya-Stadthaus

 

Traditionelle japanische Architektur - Kominka

 

Japanische Häuser in traditioneller Bauweise, genannt „Kominka“, findet man bis heute noch in ganz Japan. Je nach Nutzungsart und Bauweise werden die Häuser dabei in vier Kategorien unterteilt: Es gibt die Bauernhäuser (Nōka), Stadthäuser (Machiya), Fischerhäuser (Gyōka) und Berghütten (Sanka). Zusätzlich unterscheiden sich die Häuser oft noch in Details, je nachdem in welcher Region sie stehen, so habe z.B die Dächer von Kominka in Tohoku oft andere Formen als die im Süden. Während die Gyōka und Sanka recht rar sind, kann man die Nōka und Machiya in vielen Gegenden Japans finden. Die Stadthäuser haben meist Ziegeldächer, oft mit kunstvollen Verzierungen, die den Wohlstand des Besitzers anzeigten. Die Bauernhäuser dagegen haben oft sehr charakteristische Reetdächer, in manchen Regionen mit einem sehr spitzen Winkel, zum Schutz vor Feuchtigkeit und Schnee.


Die Anordnung der Räume folgt meist dem gleichen Schema: ein ebenerdiger Eingangsbereich führt von Eingang ins Innere des Hauses, und hier findet man traditionell auch einen gemauerten Küchenherd. Von hier gehen dann mehrere Räume ab, die einen erhöhten Holzboden haben und mit Tatami-Matten ausgelegt sind. Der größte Raum, sozusagen das Wohnzimmer, hat noch eine in den Boden eingelassene Feuerstelle, die Licht und Wärme spendet. Zusätzlich gibt es oft noch mehrere niedrige Stockwerke, da der gesamt Raum unter dem Dach genutzt wird

 

Die als Weltkulturerbe anerkannte Siedlung in Shirakawa-go

 

Alte japanische Siedlungen Shirakawa-go und Gokayama

 

Viele alte Kominka, die bis heute erhalten sind, werden sorgsam gepflegt, wenn nötig restauriert, und einige sind als Weltkulturerbe anerkannt und geschützt, zum Beispiel die Siedlung Ogimachi in Shirakawa-go und die Region Gokayama, in denen man viele Häuser im sogenannten Gassho-Zukuri Baustil besichtigen kann. Dieser ist benannt nach den steilen Dächern, deren Aussehen an zum Beten gefaltete Hände erinnert. Eine weitere Besonderheit dieser Holzhäuser ist, dass sie komplett ohne Nägel errichtet wurden. Die Enden der Balken und Verbindungen werden derart aufeinander angepasst, dass sie ineinandergreifen und durch ihr eigenes Gewicht fest miteinander verbunden bleiben.

 

Restauration von Kominka in Tokushima

 

Bei meiner letzten Japan Reise nach Shikoku hatte ich die Gelegenheit, mir einige dieser Kominka anzuschauen. Im Iya-Tal zum Beispiel habe ich mir das 300 Jahre alte Haus Chiiori angesehen, und mehr über das dahinterstehende Restaurierungsprojekt erfahren. Das Haus wurde in den 70er Jahren vom amerikanischen Japanologen Alex Kerr gekauft, der im Folgenden eine Stiftung gründete um dieses und ähnliche Kominka zu erhalten. Heute verwaltet die Stiftung Chiiori Trust insgesamt 9 alte Bauernhäuser rund um das Bergdorf Tsurui in Iya, und ist Teil eines größeren Projekts, um durch nachhaltigen Tourismus die Region am Leben zu erhalten.

 

Chiiori - Foto: ©Setouchi Tourism Office / Chiiori Trust

 

Die Häuser werden mit größter Sorgfalt restauriert, um einige moderne Annehmlichkeiten wie Toiletten, Bad und Küche ergänzt, und können dann als einzigartige Pension an Gäste vermietet werden. Das Haus Chiiori hat mich auf Anhieb verzaubert, und bei meiner nächsten Reise in die Gegend sind ein paar Übernachtungen dort bereits fest eingeplant. Die Stiftung verwaltet mittlerweile auch weitere Häuser in anderen Teilen Japans, und jedes Haus hat eine individuelle Geschichte, die mit der Region verbunden ist.

Chiiori - Innenraum


In der nahegelegenen Stadt Mima gibt es dann noch eine ganze Straße, in der sich dutzende alte Stadthäuser aneinanderreihen. Diese Gegend war im Mittelalter bekannt für die Produktion von Indigo-gefärbten Stoffen, und der Reichtum der Händler war an ihren Häusern ersichtlich. Diese Machiya haben an den Enden des Hauses spezielle Feuerschutzwände, genannt Udatsu, die übers Dach hinausragen und sehr kunstvoll verziert sind. Viele dieser Häuser sind noch bewohnt, oder werden als Geschäft von lokalen Kunsthandwerkern benutzt. Die Residenz Yoshida, die einer reichen Kaufmannsfamilie aus der Zeit gehörte, kann man auch besichtigen.

Udatsu Old Street in Mima, Tokushima, Foto: ©Setouchi Tourism Office

 

Übernachten im Kominka in ganz Japan

 

Die Idee, alte japanische Bauern- oder Stadthäuser zu restaurieren und als Gasthäuser für alle auf Japanreise anzubieten, hat mittlerweile Schule gemacht, und es gibt ein wachsendes Angebot an fantastischen Locations und Variationen an Häusern, von ganz traditionell bis zu clever modernisiert, aber immer im charakteristischen Stil eines Kominka. Viele dieser Häuser sind über unsere Experiences-Seite zu finden, und mit dem Suchbegriff "Kominka Stay" findet man mittlerweile sogar auf vielen internationalen Hotelbuchungsseiten Angebote zur Übernachtung in tollen originalen Kominka in ganz Japan.

 

Gerade wenn man als Tourist etwas abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs ist und sich mehr auf die wunderschönen Landschaften jenseits der Städte in Japan fokussieren möchte, sind diese Häuser eine großartige Alternative zu Hotels, und ganz besonders zu empfehlen, wenn man auch den Kontakt zu den Einheimischen sucht.

 

Akiya - verlassene Häuser auf der Suche nach Bewohnern

 

Leider werden nicht alle alten Kominka renoviert oder durch Tourismusinitiativen wieder zu neuem Leben erweckt. Eine Folge des demographischen Wandels in Japan ist eine immer größer werdende Zahl an verlassenen, leerstehenden Häusern, vor allem in ländlichen Gegenden. Dies betrifft auch modernere Häuser, aber eben auch viele der älteren Kominka. Diese Häuser werde durch lokale Banken verwaltet (sog. Akiya Banks), und sind teilweise für unglaublich niedrige Preise zu kaufen. Seit einigen Jahren gibt es auch aus dem Ausland mehr Aufmerksamkeit für diese Häuser, da sich manch ein Auswanderer von der Idee begeistern lässt, für extrem wenig Geld ein Haus in Japan zu kaufen.

Verlassenes Haus in Aichi, Foto: ©David A. LaSpina, "Abandoned", licensed under CC2.0

 

Ich hab sogar selbst eine Weile mit diesem Gedanken gespielt, aber nach etwas weiterer Recherche bin ich von dieser Idee schnell wieder abgekommen. Im Internet findet man zwar schnell Geschichten über japanische Häuser für nur 500 €, die tatsächlichen Kosten nach Verwaltungsgebühren, Steuern, zusätzlichem Aufschlag für die Kommune, den Makler, und schließlich die oft immensen Kosten für Reparatur und Restaurierung, läppern sich dann aber doch schnell zu einer beträchtlichen Summe. Wer wirklich ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sollte sich sehr genau informieren, was an zusätzlichen versteckten Kosten da noch auf einen zukommt. Wenn es sich um ein wirklich altes Kominka handelt, kommen unter Umständen noch zusätzliche Auflagen wegen Denkmalschutz dazu.


Einen ersten Eindruck von Aufwand, der mit Haus-Kauf und -Restaurierung in Japan auf einen zukommt, kann man sich z.B. auf dem Youtube-Kanal von TokyoLlama anschauen, der hier seine Erfahrung als neuer Hausbesitzer in Japan dokumentiert hat. Mein eigenes Verlangen, Hausbesitzer in Japan zu werden, wurde dadurch erstmal etwas abgekühlt.

 

 

 

Wie stellt Ihr euch euer Haus in Japan vor?

 

Habt ihr schonmal in einem Kominkai übernachtet? Oder sogar davon geträumt, in Japan ein Haus zu besitzen? Wie findet ihr den Stil japanischer Häuser, und würdet ihr auf eurer nächsten Japan Reise mal in einem übernachten wollen? Kommentiert unseren Facebook-Post zum Blog-Artikel oder schickt uns eine DM auf Instagram (@japantourismus). Ich antworte dort gerne auf eure Kommentare!

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