Setouchi Triennale – japanisches Kunstfestival auf Inseln von Bettina Kraemer

28. Juli 2022

 

Bettina ist bei JNTO für Pressearbeit zuständig und dafür auch immer wieder in Japan bei besonderen Events vor Ort. Ein Besuch auf einer japanischen Kunstinsel ist ihr besonder im Gedächtnis geblieben.

 

Als ich zu Beginn des Jahres die Ankündigung zur Setouchi Triennale las, musste ich an meinen ersten Besuch auf Naoshima vor einigen Jahren denken, und ich hoffe inständig, dass ich es rechtzeitig dorthin schaffe, um dieses Kunstfestival selbst zu sehen.

 

Setouchi Triennale – Naoshima und mehr

 

Die Setouchi Triennale gehört zu den bekanntesten internationalen Kunst-Festivals Japans (neben der Echigo-Tsumari-Triennale, die ebenfalls in diesem Jahr wieder stattfindet), rund um Japans bekannteste Kunstinsel Naoshima in der Seto Inlandssee, und die Eilande drum herum. Sie findet, wie der Name schon sagt, alle drei Jahre statt, und lädt Besucherinnen und Besucher aus aller Welt ein, in drei Zeitfenstern, im Frühjahr, im Sommer und im Herbst besondere Ausstellungen und Kunstwerke zu bestaunen, Museumsführungen ebenso zu genießen wie die Kunst-Installationen, auf die man bei Spaziergängen unvermittelt stoßen kann.

 

Weil ich allein schon Naoshima sehr eindrucksvoll fand, möchte ich hier in unserem Blog ein wenig davon erzählen, warum ich so gerne die Setouchi Triennale besuchen möchte.

 

Ankunft auf Naoshima

 

Als wir damals mit der Fähre vom Hafen Uno auf Naoshima ankamen, stach mir wie allen anderen Ankömmlingen vermutlich auch, Yayoi Kusumas roter gepunkteter Kürbis ins Auge. Klar hatte ich schon über die Künstlerin und ihr Werk gelesen, aber wie dieses Kunstwerk dort unvermittelt am Fähranleger auftauchte, verschaffte ihm noch einmal eine ganz andere Wirklichkeit. Ich meine, dort stand einfach ein Kunstwerk einer weltberühmten Künstlerin, und allen Besucherinnen und Besuchern stand es frei, es zu betrachten, drum herum zu laufen, Fotos zu machen und sich zu fragen, was das wohl bedeuten könnte. Und das ist nicht das einzige Kunstwerk, das urplötzlich in der Landschaft vor den Besuchern auftaucht, egal ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus auf der Insel unterwegs ist. Es gibt viele davon – das gehört zum Konzept der Insel.

 

Das Konzept der Benesse Art Site Naoshima als Kuntinsel Japan

 

Um das zu erklären muss ich ein wenig ausholen, und in die Geschichte der Insel (und auch der anderen Inseln, Teshima, Inujima und Shodoshima) zurückgehen. Im 20. Jahrhundert nahm Naoshima zunächst einen wirtschaftlichen Aufschwung, als das Bergbauunternehmen Mitsubishi hier begann, Erze abzubauen und zu verhütten. Neben den Arbeitsplätzen entstanden aber auch viele Probleme mit den Abfallprodukten dieser Industrie, die Umweltverschmutzung bedrohte nicht nur die Insel selbst, sondern auch das Meer um sie herum. Dennoch gab Mitsubishi den Betrieb erst auf, als sich der Abbau nicht mehr lohnte, natürlich ohne für eine Renaturierung zu sorgen. Über viele Jahre zogen immer mehr Menschen von der Insel fort, immer mehr Ortschaften mussten aufgegeben werden. Erst in den 1990er Jahren kam mit den Jugendcamps und Kunstprojekten der Benesse Art Foundation neue Impulse. Aus der Zeit der Jugendcamps stammen übrigens noch die Rundzelte, die lange DIE Übernachtungsalternative zum (nicht ganz billigen Benesse House) galten. Inzwischen haben die Insulanerinnen und Insulaner Airbnb entdeckt, und verlangen für ihre Privatunterkünfte teils gesalzene Preise.

 

Strand in Naoshima der auf Kunst zuläuft.

 

Die wichtigsten Anziehungspunkte Naoshimas sind die berühmten Museen, die von Japans Stararchitekten Tadao Ando konzipiert wurden (Monets Seerosenbilder!) und die vielen Künstlerkooperativen, die mittlerweile auf der Insel entstanden sind. Mit den Menschen, mit der Gemeinschaft und mit der Natur, so könnte man vielleicht ihr Motto umschreiben. Ein besonders schönes Beispiel, wie ich finde, ist das Naoshima Bath des Künstlers Shinro Ohtake, zugleich Kunstwerk und öffentliches Badehaus.

 

Mehr Kunst auf Teshima, Inujima und Shodoshima

 

Nach Naoshima zogen auch die Nachbarinseln Teshima, Inujima und Shodoshima japanische Künstlerinnen und Künstler an, und auch hier entstand dieser attraktive Mix aus wirklich großartigen Museen, Installationen und Kunstwerken in freier Natur (und unter Einbeziehung der Natur wie im Teshima Art Museum). Verlassene Fischerhütten wurden von diesen neu zugezogenen (und von der Benesse Art Foundation geförderten) Künstlern übernommen und neu gestaltet.

 

Das Kunstfestival: Setouchi Art Triennale

 

Die Setouchi Art Triennale bringt nun noch ein neues internationales Element in dieses Kunstbiotop, denn an der Setouchi Triennale nehmen auch bekannte Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt teil und stellen ihre Werke aus. Überall sind die artists unterwegs, bieten Führungen an, zeigen und erklären ihre Werke. Deutlich mehr Fährverbindungen bringen Besucher von Insel zu Insel. Sicher eines der Highlights der diesjährigen Triennale: das großartige 2022 auf Naoshima eröffnete neue Museum „Valley Gallery“ von Tadao Ando, in dem ein Teil der Installation von Yayoi Kusama „Narcissus Garden“ ausgestellt ist, sowie Tsuyoshi Ozawas „Slag Buddha 88“. Seine 88 Buddha-Figuren sind vollständig aus industriellen Abfällen gefertigt. Neu ist auch der luxuriöse Roku Ryokan mit seinen nur 11 Suiten (jede davon mit eigenem Onsen), der, um dort übernachten zu können, zwar einen gut gefüllten Geldbeutel erforderlich macht, aber auch als Galerie für einheimische Künstler dient. Diese Galerie kann man natürlich auch einfach so besuchen.

 

Landschaft und Kunst auf Ogijima © Setouchi Koebi Network

 

Neben all der Kunst, die diese bezaubernden Inseln zu bieten haben, kann man gar nicht genug auf ihre natürlichen Schönheiten hinweisen. Wie grüne Kleinode liegen sie verstreut im friedlichen blauen Meer der Seto Inlandssee, mit weißen Stränden und schroffen Felsen. Wer einen Tag Pause von den Kunsterlebnissen sucht der könnte einfach einen Strandtag einlegen, im Meer schwimmen, oder über die Inseln wandern, zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

 

Wart ihr schon einmal auf einem japanischen Kunstifestival?

 

Egal ob Echigo Tsumari oder Setouchi Trienalle - wart ihr schon dort? Oder gibt es ein heraussragendes Kunsterlebnis, dass ihr auf einer Japanreise machen durftet? Schreibt es uns als Antwort auf unseren Facebook-Post zum Artikel, wir machen daraus bei genügend Rückmeldungen gerne einen eigenen Beitrag für unsere Webseite!

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