Schrein-Besuche, der erste Sonnenaufgang und gemeinsames Nudelessen - Neujahr in Japan

Besondere Traditionen und Bräuche zum Jahreswechsel in Japan

Der Jahreswechsel hat in Japan Tradition. Anders als viele hierzulande wahrscheinlich denken, wird in Japan ebenso am 1. Januar das Neujahrsfest gefeiert. Dies war allerdings nicht immer so. Bis ins Jahr 1873 wurde das japanische Neujahrsfest Shōgatsu (japanisch 正月) nach dem lunisolaren Kalender zu Beginn des Frühjahrs gefeiert. Ähnlich wie bei uns an Weihnachten, ist das Fest zum Jahreswechsel vor allem vom Beisammensein der Familie, dem gemeinsamen Essen und weiteren Bräuchen geprägt. Allerdings ist in Japan nicht der 31. Dezember der Tag des Feierns, sondern vielmehr der 1. Januar. Neujahr gilt in Japan als einer der wichtigsten Feiertage, denn hier kommt die gesamte Familie zusammen um in das neue Jahr zu starten.

 

Ōmisoka (大晦日), das japanische Silvester

Silvester hat in Japan nicht die gleiche Bedeutung wie in Deutschland. Der letzte Tag des Jahres ist nicht der Höhepunkt, sondern erst der Auftakt der eigentlichen Neujahrsfeierlichkeiten. Zwar wird am 31. Dezember überall auf den Straßen "Yoi Otoshi o!" (良いお年を) - „Ein schönes neues Jahr“ gerufen, allerdings eher um sich von Freunden und Bekannten noch im alten Jahr zu verabschieden. Denn die meisten Japaner verbringen die letzten Tage des Dezembers bis mindestens zum 3. Januar im Kreis ihrer Familie auf dem Land anstatt in den Metropolen. Zu Silvester und Neujahr werden keine großen Partys geplant, sondern man genießt die Zeit im Familienkreis und verabschiedet sich vom alten Jahr.

 

Traditionelles Osechi Ryōri ©KEIO PLAZA HOTEL TOKYO

 

Toshikoshi Soba, Osechi Ryōri und Mochi-Reiskuchen – traditionelle Speisen zum Jahreswechsel Am Abend des 31. Dezembers wird herkömmlich eine Portion Toshikoshi Soba (年越しそば) gegessen. Die langen Nudeln aus Buchweizen sollen ein erfülltes und gesundes Leben bescheren. Toshikoshi bedeutet das Ende von diesem Jahr und der Anfang eines neuen. Doch Achtung: Wenn auch nur eine Nudel auf dem Teller übrig bleibt bringen sie kein Glück für das kommende Jahr.

Das wirklich traditionelle Neujahrsessen sind Osechi Ryōri (御節料理), kleine Speisen die bereits einige Tage vorher zubereitet und in einer Box angerichtet werden. Die einzelnen Speisen haben jeweils besondere Eigenschaften, beispielsweise gilt ein Heringsrogen als Garant für gesunden Nachwuchs im neuen Jahr. Ein weiteres kulinarisches Highlight ist die Ozōni (お雑煮), eine Suppe mit Mochi-Reiskuchen, die allerdings recht klebrig sind, weshalb die Suppe mit Vorsicht genossen werden sollte.

 

Schrein-Besuch auf dem Mt. Takao ©KEIO CORPORATION

 

Schrein Besuch statt Feuerwerk - Mitternacht in Japan

In Japan steigt um Mitternacht kein lautes Feuerwerk in den Nachhimmel, sondern es ertönt das Glockengeläut der Tempel. Mit 108 Glockentönen jedes Tempels sollen die 108 weltlichen Begierden der Menschen die Erde verlassen, um frei von Sünde und Leid ins neue Jahr starten zu können. Die Menschen in Japan treffen sich dennoch um Mitternacht draußen, zwar nicht um das Feuerwerk zu beobachten, sondern um den ersten Besuch am Schrein zu absolvieren. Dieser erste Besuch, in Japan Hatsumôde (初詣) genannt, ist besonders wichtig um bei den Göttern vorstellig zu werden und für das nächste Jahr um Wohlwollen zu bitten.

Frau im Kimono am Meiji-Schrein ©Tokyo Conventions & Visitors Bureau

 

Ein weiterer wesentlicher Brauch zu Neujahr ist das Erleben des ersten Sonnenaufgangs. Um Hatsuhinode (初日の出) am 1. Januar zu erleben, stehen viele Japaner sehr früh auf um ans Meer oder in die Berge zu fahren, denn die ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres bringen Glück.

 

Neujahr zwischen Karten, Dekoration und Tradition

Zu den besonderen Traditionen des Jahreswechsels zählen auch die Neujahrskarten. Statt einer Weihnachtskarte schreiben die Japaner ihren Freunden, engsten Vertrauten und Bekannten zum Jahresende einen Neujahrs-Gruß, um sich für das vergangen Jahr bei einander zu bedanken. Damit die japanische Post der Flut an Karten gerecht wird, gibt es zusätzliche Hilfskräfte und spezielle Briefkästen für die Neujahrskarten. Werden die Neujahrs-Grüße bis zum 25. Dezember eingeworfen, so werden sie exakt am 1. Januar ausgeliefert.

 

Mt. Takao am Neujahrstag. ©KEIO CORPORATION

 

Das Haus putzen und danach mit spezieller Dekoration zum Jahreswechsel schmücken ist ebenfalls ein besonderer Brauch. Rechts und links der Haustür steht jeweils ein Kadomatsu (門松), ein Gesteck aus Bambusrohren, Kiefer und Seilen. Es soll Stärke, Reichtum und ein langes Leben bringen sowie vor bösen Geistern schützen. Im Wohnzimmer wird ab dem 28. Dezember ein besonderer Schrein aufgebaut: Kagami-Mochi (鏡餅). Der „Spiegel-Reiskuchen“, besteht aus zwei übereinander gestapelten Reiskuchen auf denen eine „Daidai“ genannte Zitrusfrucht thront. Durch die Reiskuchen werden das vergangene und kommende Jahr präsentiert, während die Frucht für die Kontinuität der Familie stehen soll. Heutzutage wird die seltene Daidai-Frucht oftmals gegen eine leichter erhältliche japanische Mandarine ausgetauscht. Während der Feiertage ist Kagami-Mochi eine Opfergabe an die Jahresgötter. Am zweiten Wochenende des neuen Jahres darf der Reiskuchen dann mit der Familie verspeist werden.

Die Feierlichkeiten des neuen Jahres enden am 7. Januar. Bis dahin bleiben die Häuser und Wohnungen dekoriert und geschmückt. Danach wird die Dekoration in einer von Priestern durchgeführten Zeremonie feierlich verbrannt um die Jahresgötter weiterziehen zu lassen und im nächsten Jahr wieder begrüßen zu können.

 


 

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