Führer Origami auf der Japanreise 折り紙

Origami: (Papier) Falten für ein langes Leben

Bunte Kraniche aus kunstvoll gefaltetem Papier: Nicht nur an den Atombomben-Gedenkstätten in Hiroshima und Nagasaki sehen Japanreisende sie, sondern manchmal findet sich auch ein kleiner gefalteter Kranich als Betthupferl auf dem Kopfkissen. Und fast jeder Japaner weiß, wie man aus einem quadratischen Stück Papier Kraniche, Samuraihüte oder kleine Schachteln faltet.

 

Die Kunst des Papierfaltens

 

Origami – von ori (falten) und kami (Papier) – heißt schlicht "gefaltetes Papier", aber in Japan geht die Kunst des Papierfaltens weit über eine einfache Beschäftigung für Kinder hinaus.

Vielleicht kam die Technik des Origami-Faltens bereits vor über 1000 Jahren zusammen mit dem Wissen um die Papierherstellung aus China nach Japan – spätestens aber seit dem 14. Jh. weiß man von Origami-Techniken. Damals war Papier noch ein Luxusgut und die gefalteten Kunstwerke kamen nur bei speziellen Anlässen, wie z.B. religiösen Zeremonien, zum Einsatz. An Shinto-Schreinen sieht man die weißen Papierstreifen noch heute, sie markieren heilige Bereiche oder werden als Wedel zusammengebunden und für Zeremonien verwendet.

 

Das Papier wurde erschwinglicher und die Falttechniken ausgefeilter: Schon im 18. Jh. gab es auch ein Buch mit Anleitungen für verschiedene Figuren, der Origami-Boom jedoch ist eher zeitgenössisch: In den letzten Jahrzehnten sind unzählige Faltideen dazugekommen.

 

Allein der „Großmeister des Origami“, Yoshizawa Akira (1911-2005), soll Zehntausende Faltfiguren entwickelt haben, er erfand neue Techniken für noch lebensechtere Figuren und verbesserte das System für schriftliche Faltanleitungen. Seine Origami-Bücher sind immer noch wegweisend.

 

Sadako und die 1000 Kraniche

 

Die bekannteste Origami-Figur ist der Kranich (orizuru). Dem großen Mandschurenkranich mit dem roten Fleck auf dem Kopf sieht so ein Papierkranich zwar nicht mehr sehr ähnlich, doch die Symbolik ist trotzdem eindeutig: Der Kranich steht in Japan nämlich für ein langes Leben. Mandschurenkraniche, von denen es im Norden Japans inzwischen wieder einige Tausend gibt, werden immerhin etwa 30 Jahre alt – ganz schön alt für einen Vogel.

 

Für das Mädchen Sadako, das als Kleinkind den Atombombenangriff auf Hiroshima überlebt hatte, bedeuteten die Kraniche Hoffnung, als sie an Leukämie erkrankte: Wenn sie 1000 Kraniche faltete, so hatte ihr jemand erzählt, würde ihr Wunsch in Erfüllung gehen, wieder gesund zu werden. Sadako starb zu früh an der Krankheit, aber ihre Mitschüler falteten weitere Kraniche für sie. Und heute legen Schüler aus aller Welt (besonders aber aus Japan) die an Ketten aufgefädelten Papierkraniche am Kinderdenkmal in Hiroshima ab – im Idealfall 1000 Stück.

 

Ganz in der Nähe des Atombombenkuppel befindet sich der Hiroshima Orizuru Tower (der "Faltkranich"-Turm). Von der offenen Dachterasse des 14-stöckigen Gebäudes hat man einen guten Blick über die ganze Stadt und auf das Friedensdenkmal. Wie der Name des Turmes schon verrät geht es hier aber auch um das Falten der Origami-Kraniche. Besucher können hier mit Anleitung oder ohne ihren eigenen Kranich falten und als Zeichen des Friedens in die alle Stockwerke überspannende, gläserne "Kranich-Wand" einwerfen.

 

Origami selber falten

 

Ein Besuch in Hiroshima oder Nagasaki ist ein guter Anlass, sich selbst am Origami-Falten zu versuchen. Eigentlich braucht man nur ein Stück quadratisches Papier: Traditionell wird Origami ohne Schere oder Klebstoff hergestellt, auch wenn moderne Falttechniken zum Teil weiter gefasst sind. Das passende Papier gibt es überall zu kaufen, exakt quadratisch und mit schönen Mustern. Oft ist auf der Packung schon eine Faltanleitung, zumindest für den Kranich, abgebildet, ansonsten informiert man sich in Origami-Büchern oder mit Online-Videos oder fragt Japaner – Sie wissen ja, einen Kranich kann fast jeder falten.

 

In Tokyo befindet sich auch ein kleines Origami-Museum (Origami Kaikan), in dem es Faltbücher (auch auf Englisch) und Papier, eine kleine Ausstellung mit Origamikunstwerken und hin und wieder Workshops zum gemeinsamen Falten gibt.

Workshops werden häufig auch in Tourist Information Centers angeboten und zahlreiche Anbieter bieten ihre eigenen Origami-Programme an.

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