Studio Ghibli: 25 Jahre Prinzessin Mononoke und der erste Ghibli-Park in Japan

Auf den Spuren der Anime-Stars in Japan

Nicht nur bei Kindern, auch bei vielen erwachsenen Fans bringt der Name Studio Ghibli die Augen zum Leuchten. Das Filmstudio, das sich seit seiner Gründung im Jahr 1985 weltweit einen Namen gemacht hat durch ebenso hochwertige wie tiefsinnige Produktionen im Genre des japanischen Zeichentrickfilms (Anime) wird Ende dieses Jahres seinen ersten Freizeitpark in der Präfektur Aichi eröffnen. Aber auch dieser Themenpark ist, wie die Filme, alles andere als gewöhnlich. Darüber hinaus kann man aber auch schon seit einiger Zeit ein Museum zu den Filmen besuchen und die realen Schauplätze, die die Zeichner inspirierten.

Ghiblis großes Lagerhaus gehört zu den ersten Attraktionen des neuen Ghibli Freizeitparks, die schon bei der Eröffnung zu sehen sein werden. © Studio Ghibli

 

Ghibli Freizeitpark eröffnet in Aichi Präfektur

Mit dem Ghibli Park, der Anfang November dieses Jahres seine Tore öffnen wird, geht ein Traum vieler Fans der liebevoll animierten Phantasiegeschichten aus Japan in Erfüllung. Den Besuchern werden sich teilweise surreale und bizarre Welten eröffnen, wie man sie bis jetzt nur aus den Zeichentrickfilmen kannte, deren bekannteste Vertreter der blühenden Ideenwelt von Altmeister Hayao Miyazaki (geb. 1941) entsprangen. Der internationale Erfolg dieser Filme rührt wohl auch von ihren universellen Themen, wie Naturverbundenheit, Freundschaft und Tapferkeit, verpackt in Mystik und Magie, die in Japan eine lange Tradition besitzen.

Überraschen wird es daher nicht, dass der Park seinen Besuchern aller Altersgruppen statt wilden Fahrgeschäften ein einzigartiges Erlebnis vermitteln möchte, das sie in die bunte Welt der Filme eintauchen und die Wunderwelt der Anime in Ruhe nacherleben lässt.

Park des Staunens - Ghibli Park

Ghibli Park entstand auf einem ehemaligen Messegelände in der Präfektur Aichi, lediglich
25 Kilometer östlich der Metropole Nagoya im zentralen Teil der Hauptinsel Honshū gelegen. Nach seiner Fertig­stellung wird er eine Fläche von rund sieben Hektar umfassen. Zur Eröffnung wird man drei Themenwelten besuchen können.

„Ghiblis großes Lagerhaus“ (dai sōko), das von Chihiros Reise ins Zauberland (2001) inspiriert wurde, bietet neben Blicken hinter die Kulissen eines Trickfilmstudios auch Ausstellungs­stücke, die an die allerersten Ghibli-Filme erinnern, wie etwa den Roboter aus Das Schloss im Himmel (1986) oder den unvergesslichen Katzenbus aus Mein Nachbar Totoro (1988). Das Haus von Mei und Satsuki aus diesem Film, das bereits auf der Weltausstellung 2005 auf dem gleichen Gelände zu sehen war, bildet den Mittelpunkt einer weiteren Themenwelt, des „Dondoko-Waldes“. Auf dem „Hügel der Jugend” (Seishun no oka), der teilweise auf Das wandelnde Schloss (2004) basiert, finden Besucher sowohl den Antiquitätenladen aus Stimme des Herzens (1995) als auch eine Nachbildung aus Das Königreich der Katzen (2002).

Zu den Parkattraktionen, die später noch hinzukommen werden, gehören das „Hexental“ (Majo no tani) mit Rekonstruktionen aus Das wandelnde Schloss und Kikis kleiner Lieferservice (1989) sowie das „Mononoke-Dorf“, das freilich an einen der berühmtesten Filme des Studios, Prinzessin Mononoke (1997), erinnert, der zudem in diesem Jahr den 25. Jahrestags seiner Uraufführung feiert (in Deutschland wurde er erstmals 1998 auf der Berlinale gezeigt).

Mehr zu Freizeitparks in Japan gibt es hier.

Wald des Zaubers - der Mononoke Wald auf Yakushima

Aber wozu warten? Schon heute kann man jenen Wald besuchen, der dem Zeichnerteam um Hayao Miyazaki vor mehr als einem Vierteljahrhundert als Vorlage diente. Und da er in einem Naturschutzgebiet liegt, das von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde, hat er sich seither auch kaum verändert – ganz im Unterschied zum Wald der Filmhandlung, der von der Rodung bedroht war und von den Helden des Films gerettet werden musste.

Der echte Wald in einer Schlucht namens Shiratani Unsuikyō liegt auf der subtropischen Insel Yakushima im tiefen Süden des japanischen Archipels, vor der Küste von Japans südlicher Hauptinsel Kyūshū. Das Eiland, das mit rund 500 km² Fläche nur etwas mehr als halb so groß ist wie Rügen oder Berlin, lässt sich von Kagoshima aus mit Fähre oder Flugzeug zwar gut erreichen, erscheint aber dennoch weitgehend unberührt. Ein Großteil der Fläche ist von einem urzeitlichen Regenwald bedeckt, der die UNESCO bereits vor rund drei Jahrzehnten dazu veranlasste, etwa ein Fünftel der Insel zum Weltnaturerbe zu erklären. Eine artenreiche Tierwelt mit Hirschen, Affen und Meeresschildkröten, blütenweiße Sandstrände und pittoreske Wasserfälle unterstreichen die märchenhafte Anmutung der Insel.

Vor dem Naturschutz wurde auch auf dieser Insel Holzwirtschaft betrieben, doch die Natur hat sich die meisten Flächen längst zurückerobert. Geblieben sind allerdings Wege, die einst für die Holzfäller angelegt worden waren und heute ein Netz vorwiegend gut ausgebauter und teils befestigter Wanderpfade bilden. Eine Karte erhält man am Eingang zur Schlucht, und zur Orientierung sind die Wege japanisch und englisch ausgeschildert. Auf ihnen gelangt man zum dichtbewaldeten Herzen der Insel und jener Gegend, der man in Anlehnung an den Film sogar hochoffiziell den Namen „Prinzessin-Mononoke-Wald“ gab.

Es erschließt sich auf den ersten Blick, weshalb Miyazaki in diesem moosbedeckten und mystisch erscheinenden Urwald den Inbegriff einer schützens- und erhaltenswerten Natur sah, die es im Film gegen die skrupellosen Betreiber einer Eisenhütte zu verteidigen galt. Der Regisseur verbrachte selbst viele Stunden in diesem Wald und lieferte seinem Chefzeichner Oga Kazuo die Vorlagen. Auf ihren Spuren wandeln bis heute die Anime-Fans aus aller Welt, die versuchen, Orte wie jenen See zu finden, in dem im Film der hirschähnliche Waldgott Shishigami wohnt. Manche bringen sogar Püppchen der Kodama genannten Baumgeister mit und fotografieren sie vor dem malerischen Hintergrund – für den Fall, dass sich die echten Baumgeister als kamerascheu erweisen.

Die Urwälder der Insel Yakushima beflügelten die Phantasie der Animatoren von Prinzessin Mononoke. © JNTO

 

Baum der Ewigkeit bei Prinzessin Mononoke und Totoro

Bevor die Insel Yakushima im Anime verewigt wurde, gründete sich ihr Ruhm auf den jahr­tausendealten Sicheltannen (auch Japanische Zedern genannt), von denen es hier Hunderte gibt. An besonders schwer zugänglichen Stellen haben sie auch die Jahre des Holzabbaus unbehelligt überstanden. Von der ältesten, die einen Stammumfang von sechzehn und eine Höhe von 25 Metern hat, behauptet man, sie habe schon bis zu sieben Jahrtausende erlebt – aber vielleicht sind es auch „nur“ zwei. Nach der vorgeschichtlichen Jōmon-Zeit hat man den Nadelbaum, der möglicherweise die älteste Sicheltanne der Welt und zugleich die größte Konifere Japans ist, Jōmon Sugi getauft. Wer ihn sehen möchte, muss sich allerdings auf eine anspruchsvolle und anstrengende Wanderung über teilweise ungesicherte Wege und schmale Holzbrücken einstellen: Für Hin- und Rückweg sollte man einen ganzen Tag einplanen.

Dass man auf diesem Weg trotzdem dem oder der einen oder anderen Anime-Begeisterten begegnet, ist auch wieder Herrn Miyazaki zu verdanken, denn er hat dem Baum in Mein Nachbar Totoro ein Denkmal gesetzt. Der titelgebende gutmütige Waldgeist lässt im Film einen Baum wachsen, der Jōmon Sugi – wohl nicht zufällig – zum Verwechseln ähnelt.

Den echten Baum entdeckten Menschen erst zwanzig Jahre vor der Entstehung des Films, nämlich 1968, und er gab den Anstoß, die Wälder Yakushimas zu schützen statt zu plündern.

Weitere Orte mit Bezug zu Totoro sind hingegen sehr viel leichter erreichbar. In den Sayama-Bergen (Sayamakyūryō) nördlich von Tokio liegt der Totoro-Wald (Totoro no Mori), der dank der Bemühungen einer eigenen Stiftung als „Totoros Geburtsort“ besonderen Schutz genießt. Hier findet man neben einer Reihe von Orten, die als Inspiration für Totoros gezeichnete und animierte Welt dienten, das öffentlich zugängliche Kurosuke-Haus, benannt nach den kleinen Rußgeistern aus dem Film. Vor dem Haus hat man der Titelfigur selbst ein Denkmal in Form einer großen Statue gesetzt.

Museum der Wunder - das Ghibli Museum

Einer ähnlichen Totoro-Figur begegnet man auch im Kassenhäuschen des Ghibli-Museums in Mitaka, einer Vorstadt im Westen Tokios. Der Grund, weshalb der Ticket-Schalter nicht von Menschen besetzt ist, liegt auf der Hand: Man kann hier keine Eintrittskarten kaufen, weil diese nur auf Vorbestellung vergeben werden. Auf diese Weise beschränkt man den Zutritt und sorgt dafür, dass das Museum nie überlaufen ist – und der Museumsbesuch folglich ein angeneh­mes Erlebnis für alle. Geöffnet ist das Museum täglich von 10 bis 18 Uhr.

Das Gebäude an sich ist schon ein Kunstwerk, das den Stil der Anime aus der Ghibli-Schmiede aufgreift, aber es gewährt auch Einblicke in die Entstehung dieser Filme, vor allem in jene Zeit, als die einzelnen Bilder eines Trickfilms noch mühevoll von Hand gezeichnet wurden. In einem kleinen Kino werden Kurzfilme gezeigt, die man nur hier sehen kann. Und damit auch kleine Besucher ihren Spaß haben, wurde in einem Raum der phantastische Katzenbus aus Mein Nachbar Totoro nachgebaut, in und auf dem sich die Kleinen nach Herzenslust austoben können. Über den Dachgarten wacht ein fünf Meter großer Robotersoldat aus Das Schloss im Himmel. Ein Café, ein Lesesaal mit Miyazakis persönlichen Literaturempfehlungen und ein Souvenirladen namens Mamma Aiuto (benannt nach den Piraten aus Porco Rosso) runden das Angebot ab.

Marsch der Kraniche (Erinnerungen an Marnie)

Schließlich sollte auch noch eine Region erwähnt sein, die einen der jüngsten Ghibli-Filme inspirierte: Erinnerungen an Marnie (2014) nach dem Roman When Marnie Was There (1967) von Joan G. Robinson (deutscher Titel: Damals mit Marnie: Glückliche Ferien am Meer), der sogar für einen “Oscar” nominiert war. Für den japanischen Film wurde die Handlung von England auf die Insel Hokkaidō verlegt, die nördlichste Hauptinsel Japans.

Die Kushiro-Marschen (Kushiro Shitsugen) mit dem gleichnamigen Nationalpark im Osten der Insel sind mit einer Fläche von rund 180 km² das größte verbliebene Feuchtgebiet Japans. Nach der letzten Eiszeit war der Meeresspiegel hier gestiegen und hatte das heutige Park­gebiet in unmittelbarer Nähe zum Pazifik vollständig bedeckt, bevor er dann wieder absank.

Selbst im Winter fällt hier kaum Schnee, und von Aussichtspunkten wie dem Hosooka-Observatorium oder auf den zahlreichen Bretterwegen des Parks kann man die facettenreiche Natur der Sumpflandschaft gut beobachten. Die Marschen sind nämlich nicht nur die letzte Zufluchtsstätte des bedrohten Rotkronenkranichs (Tancho), sondern auch Heimat vieler anderer Tier- und Pflanzenarten.

Auch zu Pferde und – wie im Trickfilm – im Kanu oder Kajak kann man das Gebiet erkunden – die entsprechende Ausrüstung wird vor Ort angeboten. Wer sich dieses Vergnügen gönnt, wird auch verstehen, warum Marnie von diesem Marschland schwärmt: „Wunderschön!“ Das kann man sicherlich auch von den Filmen des Studio Ghibli sagen, die erst bei einem Besuch in Japan selbst wirklich zum Leben erweckt werden.

Studio Ghibli im deutschen Fernsehen und Streaming

Vor einer Reise an diese Orte ist es ratsam, sich die Filme (noch einmal) anzuschauen. Die Filme von Studio Ghibli und den Vorläufer Nausicaä aus dem Tal der Winde (1984), der den Anstoß für die Studiogründung gab, gibt es in Deutschland in verschiedenen Ausgaben auf DVD und Blu-ray Disc zu kaufen – zehn in einer Box als Hayao Miyazaki Collection. Außerdem bietet der Streaming-Dienst Netflix seinen Abonnenten in Europa seit 2020 einund­zwanzig – also den größten Teil – der Filme an, darunter alle, die in diesem Text erwähnt wurden.


 

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