Matsuri und Hanabi – Japanische Sommerfeste und Feuerwerk von Lukas Brehm

22. Juli 2021

 

Im Frankfurter Büro der Japanischen Fremdenverkehrszentrale bietet Lukas Brehm Beratung für jede Japanreise. Für Freunde von Volksfesten und fantastischen Feuerwerken hat er heute einen heißen Tipp für den nächsten Sommerurlaub in Japan.

 

Meine erste Reise nach Japan führte mich nicht entlang der üblichen touristischen Routen, sondern erst mal ein paar Wochen in die japanische Provinz, in die Stadt Okazaki bei Nagoya in der Aichi Präfektur. Dies war mitten in einem heißen japanischen Sommer, und für einen Europäer war das erstmal ungewohnt schwül-warm. Dennoch hab ich hiervon einige meiner liebsten Urlaubserinnerungen an Japan, denn neben der Hitze und dem endlosen Gezirpe der Zikaden bedeutet Sommer in Japan auch: Sommerfeste!

 

Matsuri – es gibt immer was zu feiern, besonders im Sommer

 

In der Zeit von Juli bis August gibt es in ganz Japan eine Reihe an großen Sommerfesten, oft über mehrere Tage und mit tausenden Besuchern. Die Ursprünge dieser Feste können dabei sehr unterschiedlich sein, das Gion Matsuri in Kyoto leitet sich zum Beispiel von einer Tempelzeremonie ab, bei der man zu Ehren der Götter eine prunkvolle Parade veranstaltet. Diesen Ursprung in spirituellen Praktiken und Zeremonien gibt es in vielen japanischen Volksfesten, und in vielen Variationen, da in Japan ja auch viele verschiedene Religionen und spirituelle Praktiken nebeneinander existieren. Demgegenüber gibt es aber auch so etwas wie das Awa Odori Festival in Tokushima, das der Legende nach entstanden ist, nach dem der lokale Fürst nach einer Party so voller Freude war, dass er betrunken durch die Straßen getanzt ist. Das Festival dreht sich bis heute um ausgelassenes Tanzen, und Besucher sind ausdrücklich aufgefordert, mitzumachen.

 

Tänzerinnen beim Awa Odori Fest

 

In ganz Japan gibt es im Sommer Feste und Feiern, zum Beispiel das Sternenfest, Tanabata, oder das Obon Fest, bei dem man den Seelen der verstorbenen Ahnen gedenkt. Diese Feiern haben oft einen familiären Charakter, und es gibt sie nicht nur als großes Massenspektakel in den Städten, sondern auch in den Tempeln und Schreinen in der Nachbarschaft mit kleinen Essenständen, lokalem Flair und vielen Japanern in traditioneller Kleidung. Diese kleinen Feste sind eine tolle Gelegenheit für Besucher, Japan mal etwas näher und „ungefiltert“ kennenzulernen.

 

Während meiner Zeit in Okazaki habe ich zum Beispiel eines Abends vom Fenster im Apartment aus die Lichter und Laternen eines nahegelegenen Tempels erspäht, und aus der Ferne Musik gehört. Von Neugier getrieben, bin ich in eine kleines Sommerfest in diesem Stadtteil gestolpert. Wer beim Japan Urlaub Augen und Ohren offen hält, findet schon mal unverhofft ein ganz persönliches Urlaubserlebnis.

 

Feiern bis es knallt! - Japanisches Feuerwerk gehört zum Sommer

 

Was nachhaltige Urlaubserlebnisse angeht, war ich nun nicht nur zur richtigen Zeit in Japan, sondern auch am richtigen Ort! Im Mittelalter war Okazaki der Stammsitz eines der bedeutendsten Shogune Japans, Tokugawa Ieyasu. Als politisches und militärisches Machtzentrum war es auch einer der wenigen Orte in Japan, in denen die Herstellung von Schwarzpulver erlaubt war! Dieser Umstand führte dazu, das sich das Handwerk der Feuerwerksherstellung in dieser Region etablierte - genau gesagt in der Region Mikawa mit dem heute noch bekannten Tezutsu Hanabi, das ihr im Video sehen könnt - und bis heute wird ein Großteil des Feuerwerks aus Japan in dieser Gegend hergestellt. Was hat das nun mit Sommerfesten zu tun? Nun ja, es gibt eine weitere Art von Sommerfest, das überall in Japan gefeiert wird: das Feuerwerksfest, Hanabi Taikai.

 

 

 

 

Wer bei uns an Feuerwerk denkt, denkt ja meist zuerst an Silvesterknaller – in Japan aber gehören Hanabi Taikai zum Sommer dazu. Das Wort Hanabi wird mit den Kanji für „Feuer“ und „Blume“ geschrieben. Der Sommer ist es also, wenn überall Feuerblumen am Himmel erblühen. Viele Städte veranstalten in der Nähe von Seen, Flüssen und manchmal in der Nähe von bekannten Japan Sehenswürdigkeiten aufwendige Feuerwerk-Feste. In Tokyo zum Beispiel gibt es das Sumidagawa Hanabi Taikai, am berühmten Itsukushima Schrein auf Miyajima gibt es ein eigenes Feuerwerk Festival – und Lake Toya gibt es sogar den ganzen Sommer hindurch Feuerwerke am See!

 

Feuerwerk am Itsukushima Schrein

 

Japanisches Feuerwerk Fest in Okazaki

 

Ich hatte nun das Glück, genau zum Hanabi Taikai in Okazaki zu sein, einem der größten und schönsten Feuerwerksfeste in Japan. Zum Feuerwerk werden einige Straßen in der Stadt für Autos gesperrt, und eine riesige Fußgängerzone für das Fest geschaffen. Einige Tage vorher werden entlang des Flussufers unzählige Plattformen und Tribünen aufgebaut, wo man entweder mit Sitzplatz oder auf der Picknickdecke das Feuerwerk bewundern kann. Die Plätze sind allerdings knapp und heiß begehrt, ich hab damals leider keinen mehr abbekommen. Zum Abend hin strömen aus allen Ecken und Enden der Stadt, und sogar von weiter her, die Zuschauer an den Fluss. Dabei tragen viele, wie es sich für ein richtiges japanisches Sommerfest gehört, traditionelle Yukatas, sowas wie die leichte Sommervariante des Kimono. Entlang der Straßen stehen unzählige Verkaufsstände für Essen und Getränke, und allerlei Nippes und Kleinigkeiten, die man als Andenken mitnehmen kann.

 

Nachdem es richtig dunkel geworden ist, startet die große Feuerwerksschau. Auf dem Fluss beginnt eine Prozession von Schiffen, auf denen an großen Gerüsten brennenden Kunstwerke an den Zuschauern vorbeifahren. Ein bisschen so wie ein Karnevals-Umzug, nur heißer! Und nach der Ansage, welcher Feuerwerks-Hersteller als nächstes dran ist, beginnt das richtige Spektakel. Man hört einen kurzen Wumms des Mörsers, sieht, wenn man sehr genau hinschaut, die schwach leuchtende Spur des Feuerwerkskörpers, wie er in den Himmel aufsteigt, und nach ein paar Sekunden steht plötzlich der ganze Himmel über dem Fluss in Flammen!

 

Für Okazaki ist es nicht einfach nur ein Feuerwerksfest, sonder gewissermaßen auch eine Werksschau aller Feuerwerkshersteller der Region, die voller Stolz ihre neuesten Kreationen präsentieren. Hier wird nicht lahm rumgezündelt, die Feuerwerker überbieten sich in Form, Farben, speziellen Effekten, und grandiosen mehrstufigen Explosionen. Jede Show dauert dabei ein paar Minuten, und hat eine richtige Dramaturgie. Beginnend mit kleineren Effekten, steigert man sich in größere, aufwendigere Kombinationen, dann eine kurze Verschnaufpause, bevor es in ein fulminantes Finale geht, in dem fast im Sekundentakt gigantische Blumen aus Feuer und Funken den Himmel erleuchten. Dann gibt es eine kurze Pause für ein paar Bissen und ein oder zwei Sake, und schon geht es weiter mit dem nächsten Hersteller, der natürlich sein Bestes gibt, den Vorgänger zu übertrumpfen. Über den Abend hinweg werden hier von professioneller Hand gut 20.000 Feuerwerke gezündet.

 

Feuerwerk am Toya See

 

Für mich, der bisher nur das im Vergleich unspektakuläre deutsche Silvesterfeuerwerk im Garten kannte, war das eine gewisse Offenbarung!

 

Das Festival findet normalerweise am ersten Samstag im August statt, wurde dieses Jahr aber Pandemiebedingt abgesagt. Wer es nächstes Jahr Anfang August nach Japan schafft, und sich in Aichi aufhält, sollte das Feuerwerk in Okazaki unbedingt in die Planung der Japanreise mit aufnehmen!

 

Japanisches Feuerwerk beim Japan Tag in Düsseldorf

 

Einen Hauch so eines sehr japanischen Spektakels kann man auch in Deutschland erleben, um sich einen kleinen Vorgeschmack zu gönnen. In Düsseldorf findet alljährlich der Japan Tag statt, ein Volksfest ganz nach japanischen Vorbild, veranstaltet von und mit der Japanischen Gemeinde Düsseldorf. Ganz wie in Japan gibt es zum Festival in den Straßen Düsseldorfs auch ein fulminantes Feuerwerk über dem Rhein. Vielleicht sogar mit Feuerwerk aus Okazaki.

 

Was sind eure tollsten Matsuri Erinnerungen?

 

Wie steht es mit euch? Habt ihr schon einmal den Sommerurlaub in Japan verbracht und wart auf einem Matsuri? Es würde mich sehr interessieren, was ihr erlebt habt. Kommentiert unseren Facebook- oder Instagram-Posts zum Blog-Artikel. Ich antworte dort auch gerne auf alle eure Fragen!

 

 

 

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