Klassische Japanreise plus – 5 Ausflugstipps zwischen Tokyo und Hiroshima von Elisa S. M. Empl

25. 08. 2022

 

Bei Elisa und ihrem Blog Japanliebe.de ist der Name Programm. Als Animefan der frühen Stunde verliebte sie sich in die Sprache, die Andersartigkeit, kurzum: in ein ganzes Land. Aus einem Hobby wurde eine Leidenschaft wurde ein Studium. Als Japanologin bereist sie auch die hintersten Winkel des Landes, immer auf der Suche nach dem neusten Geheimtipp für ihre Leser. Heute stellt sie uns fünf Ziele auf und doch abseits der „Goldenen Route“ vor.

 

Wohin soll die erste Reise nach Japan gehen?

 

Ganz klar die wichtigste Frage für alle, die ihre erste Japanreise planen: Wohin soll es gehen? Welche Sehenswürdigkeiten muss man während einer Reise nach Japan gesehen haben?

Die Spur führt schnell zur sogenannten „Goldenen Route“, einer Strecke an Japans Ostküste zwischen der japanischen Landeshauptstadt Tokyo und weiter südlich Hiroshima. Auf dem Weg befinden sich der heilige Berg Fuji, die alten Kaiserstädte Kyoto und Nara und die pulsierende Handelsmetropole Osaka. Volles Programm also für eine Japan Rundreise.

 

Für deine Japan-Bucketlist sammelst du so also jede Menge Haken. Aber was, wenn du darüber hinaus noch ein bisschen mehr entdecken möchtest? Schreine, Tempel, Onsen, Städte abseits der üblichen Touristen-Highlights? Dafür musst du dich gar nicht weit umsehen. Denn auch auf der „Goldenen Route“ gibt es die Möglichkeit, kleine Abstecher zu machen, mit denen du noch mehr Facetten von Japan kennenlernen kannst.

 

Ich stelle fünf Orte vor, mit denen man einen klassischen Japan Urlaub zu einem ganz individuellen Erlebnis machen kann!

 

1. Geheimtipp für die Japanreise: Hortensien-Zauber und auf den Spuren der schwarzen Schiffe in Shimoda

 

Südlich des Fuji, nur etwa eine Zugstunde von Tokyo entfernt, befindet sich die Halbinsel Izu. Durch eine warme Meeresströmung lockt sie schon ab Ende Januar Besucher aus der Großstadt an, welche die ersten frühen Kirschblüten sehen möchten. Schroffe Klippen, weiße Sandstrände und üppige Vegetation laden zum Wandern und Ausspannen ein.

 

Shimoda – ein Paradies für Wassersportfans und Hortensienliebhaber

 

Meine persönliche Empfehlung ist die geschichtsträchtige Stadt Shimoda im Süden der Izu-Halbinsel. Im Sommer wird der Ort bevölkert von Surfern und Beachballern, doch die beste Zeit für einen Besuch ist eigentlich knapp davor während der Regenzeit. Denn dann verwandelt sich der Shimoda-Park, der sich über einen Hügel zwischen Perry Road und Aquarium erstreckt, in ein Hortensien-Wunderland. Tausende „Ajisai“, wie Hortensien auf Japanisch heißen, blühen dann in diversen Weiß-, Blau-, Lila- und Rosatönen. An Imbissständen gibt es typisch japanische Leckereien und eine besondere „Ajisai Soda“- Limonade mit Jelly in passenden Pastellfarben. Absolut instagrammable.

 

Die Perry Road in Shimoda ist mit ihrem pittoresken Kanal, Cafés und Bars ein schöner Ort zum Flanieren.

 

Wo Japan sich dem Westen öffnete

 

Aber auch wenn du dich nicht den unberechenbaren Wetterverhältnissen der Regenzeit aussetzen möchtest, hat Shimoda viel zu bieten. Vom klaren Wasser am Shirahama-Strand über ein Aquarium, das beschaulich in einer Bucht liegt, bis hin zu heißen Quellen. Als Wasserratte bist du hier zu jeder Jahreszeit richtig.

 

Vor allem aber Geschichtsfans kommen hier auf ihre Kosten. Denn es war nirgend anders als in Shimoda, wo Commodore Matthew Perry Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen schwarzen Schiffen anlegte und Japans über 200 Jahre andauernde Selbstisolation beendete. Der Name der Perry Road, dem beschaulichen Stadtzentrum entlang eines Kanals mit Bars und Cafés, erinnert bis heute an die Ereignisse von damals. Auch überall sonst in Shimoda lassen sich Spuren entdecken: Kanonen, Kanaldeckel mit entsprechendem Motiv und sogar eine Hafenrundfahrt in einem schwarzen Schiff ist möglich.

 

Nicht verpassen: das Geschichtsmuseum in Shimoda und ein Besuch am Ryosen-ji-Tempel. Dort wurde der Öffnungsvertrag zwischen Japan und den Vereinigten Staaten unterzeichnet.

 

2. Einer meiner Lieblingsorte in Japan: Gamagori


Ganz klar, Japan ist mein Lieblingsland. Aber selbst hier gibt es einige Orte, die mir ganz besonders am Herz liegen. Einer davon ist die Küstenstadt Gamagori, ganz einfach zu erreichen ab den Shinkansen-Haltestellen Toyohashi oder Nagoya. Wasserpark-Spaß, Nervenkitzel beim Bootsrennen und Baden im Onsen. Die Japaner selbst zieht es vor allem aus zwei Gründen nach Gamagori. Es gibt einen großen Wasserpark – ein Schwesterunternehmen des berühmten „Huis Ten Bosch“- Freizeitparks in Nagasaki – und die Möglichkeit zu wetten, und zwar auf Bootsrennen.

 

Darüber hinaus laden einige Onsen-Resorts mit ihren heißen Quellen dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Das geht bei einem Tagesausflug auch für nur ein paar Stunden tagsüber, teils mit wundervollem Blick aufs Meer.

 

Takeshima, die heilige Insel in der Mikawa-Bucht, beherbergt gleich fünf Shinto-Schreine.

 

Eine japanische Insel mit fünf Schreinen

 

Mein persönliches Highlight an Gamagori ist jedoch Takeshima – eine kleine Insel in der Mikawa-Bucht. Über eine lange Brücke mit romantischen Glaslaternen ist sie mit dem Festland verbunden und kann zu Fuß erkundet werden. Und das lohnt sich, denn auf Takeshima – der winzigen „Bambusinsel“ – befinden sich gleich fünf Shinto-Schreine.

 

Irgendwo erklingt eigentlich immer traditionelle Musik, Schreinhelfer sind geschäftig dabei, Talismane und Wunschtafeln zu verkaufen, kichernd werden besonders gute oder schlechte Orakel an Zweige gebunden. Rundum zeigt sich je nach Wetter das Meer wild und stürmisch oder im Sommer bei Ebbe so ruhig, dass Familien durch den sandigen Schlamm waten und nach Krebsen und Muscheln suchen.

 

Ein spektakuläres Matsuri-Schreinfest

 

Ganz besonders lege ich jedem einen Besuch von Gamagori im Oktober zum Miya-Schreinfest ans Herz. Dann verwandelt sich die Stadt in ein lebendiges Treiben mit unzähligen Musikgruppen. Durch treibende Flötentöne und rhythmisches Trommeln konkurrieren die Musiker miteinander, beleuchtete Holzkarren dienen als Versorgungsstation für hungrige Mägen und trockene Kehlen.

 

Beim Miya-Schreinfest werden riesige Festwägen durch eine Meeresbucht vor Gamagori gezogen.

 

Das ganz große Spektakel jedoch findet direkt am Meer statt. Freiwillige ziehen schwitzend und keuchend mehrere riesige, geschmückte Festwägen vom Yatsurugi-Schrein zum Wakamiya-Schrein. Und das durchs Wasser. Auch hier dürfen natürlich Musik, viel Spaß und gutes Essen nicht fehlen.

 

3. Alternative zum Fushimi Inari für deinen Japanurlaub – ab nach Toyokawa

 

Jeder kennt die Bilder aus Kyoto vom Fushimi Inari, dem Schrein mit den Tausenden roten Toren („torii“). Doch in Japan gibt es noch andere große Schreine, die der Reisgottheit Inari geweiht sind. Einer der wichtigsten befindet sich in Toyokawa, nahe der Shinkansen-Station Toyohashi: der Toyokawa Inari. (Tipp: ein Besuch lässt sich gut mit einem Besuch in Gamagori von Punkt 2 verbinden).

 

Was Füchse mit Sushi zu tun haben

 

Sobald du in Toyokawa aus dem Zug ausgestiegen bist, empfangen dich die ersten Füchse. In Form des Stadtmaskottchens am Bahnhof und als Statuen, die den Weg zum Toyokawa Inari säumen. Kein Wunder, sind die Tiere doch die Boten des Naturgotts Inari.

 

Rund um den Toyokawa Inari konkurrieren mehrere Verkäufer von Inari-Sushi um die Gunst der Passanten.

 

Aber wusstest ihr, dass auch Tofu mit Füchsen in Verbindung gebracht wird? Genauer gesagt die gesüßte Tofuhaut, wie du sie aus Kitsune Udon („Fuchs-Udon-Nudelsuppe“) oder vom Inari-Sushi kennst. Angeblich fressen Füchse diese Tofuhaut nämlich besonders gern, so kamen Suppe und Sushi zu ihren Namen. In Toyokawa gibt es deshalb an jeder Ecke Inari-Sushi zu essen. Die Verkäufer übertrumpfen sich in bester Marktschreier-Manier gegenseitig, um die Gunst der Passanten zu erlangen.

 

Toyokawa Inari – ein Fuchsschrein der anderen Art

 

Fuchs“schrein“ ist beim Toyokawa Inari eigentlich nicht die richtige Bezeichnung. Denn die heilige Stätte ist eine jener wenigen, die – wie früher in Japan oft üblich – buddhistischen und shintoistischen Glauben an einem Ort vereint. Deshalb findest du dort auch Elemente von Tempeln und Schreinen.

 

Füchse sind die Boten des Reisgottes Inari und auch am Toyokawa Inari-Schrein in großer Zahl vorhanden.

 

Nur die vielen roten „torii“, wie du sie von anderen Inari-Schreinen kennst, suchst du dort vergeblich. Stattdessen säumen unzählige weiße Fahnen den Weg zum inneren Heiligtum. Unter einem dichten Dach aus Ästen hindurch kommst du an diversen Tempel-Gebäuden und Nebenschreinen vorbei, bist du das Herzstück des Toyokawa Inari erreichst: eine Lichtung voller Steinstatuen in Fuchsform. Jede einzelne von ihnen mit einem anderen Gesichtsausdruck.

 

4. Japan für Filmfans – an diesem Tempel in Himeji wurde „Der letzte Samurai“ gedreht

 

Himeji scheint auf den ersten Blick kein Geheimtipp für deine Reise nach Japan zu sein. Schließlich steht dort die weiße Reiherburg, die sogar als UNESCO Weltkulturerbe eingetragen ist und bei einer klassischen Japanreise auf keinen Fall fehlen sollte. Doch Himeji hat darüber hinaus noch einiges mehr zu bieten. Den Kokoen-Garten zum Beispiel. Aber auch einen ganz besonderen Bergtempel. Und diesen möchte euch für den nächsten Japan Urlaub ganz besonders ans Herz legen.

 

Mit der Seilbahn auf den Tempelberg Shosha

 

Das Abenteuer beginnt bereits am Busbahnhof. Dort gibt es ein Kombiticket für die Fahrt zum Berg Shosha zu kaufen, das eine Berg- und Talfahrt mit der „Shoshazan Seilbahn“ beinhaltet. Für den Weg nach oben, bist du am besten Schwindelfrei. Dann eröffnet sich dir ein herrlicher Blick über die Stadt Himeji bis hin zum Seto-Binnenmeer.

 

Oben angekommen kannst du entscheiden, ob du einen Shuttlebus zur Haupthalle des Engyoji-Tempels nimmst, oder doch lieber zu Fuß gehst. Letzteres kann ich nur empfehlen. Durch sattgrüne Bäume geht es an einer Friedensglocke und Bodhisattva-Statuen vorbei zum stattlichen Niomon-Tor, bevor man endlich das Zentrum der Tempelanlage erreicht.

 

Die Maniden-Halle des Engyoji-Tempels fügt sich majestätisch in die Umgebung ein.

 

Der Engyoji-Tempel – Drehort für „Der letzte Samurai“

 

Ein wenig an den berühmten Kiyomizudera-Tempel in Kyoto erinnert die Bauweise des Maniden-Gebäudes. Es steht auf einem Holzgerüst am Hang und fügt sich so, aller Stattlichkeit zum Trotz, perfekt in die Umgebung ein. Hier ist ganz schön was los: Gläubige beten, holen sich Einträge in ihr Pilgerbuch und machen dann einen Zwischenstopp in dem kleinen Imbiss am Fuß des Tempels, um eine schnelle Suppe zu schlürfen oder genüßlich ein Matcha-Softeis zu schlecken.

 

Bildtafeln am Engyoji-Tempel erinnern an zahlreiche Dreharbeiten vor Ort, zum Beispiel für den Film „Der letzte Samurai“.

 

Ob Tom Cruise hier wohl auch ein Eis hatte? Es könnte sein, denn nur ein paar Gehminuten weiter erinnern Bildtafeln an den drei großen Tempelhallen des Engyoji an die Dreharbeiten zu „Der letzte Samurai“. Da der Tempel so unberührt in den Bergen liegt, und sich dadurch eine gewisse Ursprünglichkeit bewahrt hat, finden hier oft Filmdrehs statt. Der Actionfilm mit Tom Cruise ist die berühmteste westliche Produktion. Doch den Hollywood-Hintergrund braucht es gar nicht, um die prächtigen Holzgebäude und die darin ausgestellten Tempelschätze bewundern zu können.

 

5. Takehara Hiroshima – zwischen Anime- und Altstadt-Vibes

 

Einmal eintauchen in das Japan der Edo-Zeit (1603–1867), das ist vielerorts leider kaum noch möglich. Durch Naturkatastrophen und Fliegerangriffe während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Gebäude aus früheren Jahrhunderten zerstört. Nicht so in Takehara, einem wahren Juwel in der Präfektur Hiroshima.

 

Wie aus einer anderen Zeit: die Altstadt der kleinen Stadt Takehara in der Präfektur Hiroshima.

 

Eine Altstadt wie aus einem Historienfilm

 

Die historisch erhaltene Altstadt von Takehara gibt dir das Gefühl, du wärst in einem japanischen Historiendrama gelandet. Hölzerne Fassaden, traditionell gewölbte Dächer, dazu überall Kunsthandwerk aus Bambus und sich munter drehende Windräder an den Fassaden. Hier sieht Japan noch so aus wie vor 300 Jahren.

 

Liebhaber von Reiswein statten unbedingt der Sake-Brauerei Fujii einen Besuch ab. Alle anderen lassen sich einfach treiben durch die Gassen und stellen sich vor, wie fahrende Händler ihre Wahren auf den Schultern transportierten und farbenfrohe Kimono das Gesamtbild der Stadt abrundeten.


Eine Station der 88-Anime-Walfahrt

 

So wie es auf Shikoku die 88-Tempel-Walfahrt gibt, können Fans japanischer Zeichentrickserien in ganz Japan 88 Anime-Spots besuchen. Und einer dieser Spots ist, genau, Takehara. Hier spielt die Geschichte der Serie „Tamayura“, wodurch die Stadt sich seit der Ausstrahlung 2010 großer Beliebtheit bei „Animetouristen“ erfreut.

 

Ein Kanaldeckel in der Stadt Takehara zeigt eine Figur aus dem Anime Tamayura, der dort spielt.

 

Deshalb ließ die Stadt sich nicht lumpen und bietet Besuchern einiges rund um die Serie an. Einen Stadtplan mit den wichtigsten Spots aus dem Anime, Kanaldeckel mit entsprechenden Motiven, einen Sammelstempel im „Michi no Eki“ und das Highlight für alle Fans: einen kleinen Schrein mit einer Steinstatue des „Tamayura“-Maskottchens Momoneko – einer Mischung aus Katze, Pfirsich und viel Fluff.

 

Viel Spaß auf deiner Japanreise!

 

Ganz klar, für die erste Japanreise bietet sich die klassische „Goldene Route“ zwischen Tokyo und Hiroshima an. Aber das heißt nicht, dass dein erster Urlaub in Japan nach Schema „Bucket List“ ablaufen muss. Mit den vorgestellten Zielen, die alle als Abstecher von der Tokaido-Shinkansen-Strecke realisiert werden können, lernst du ganz neue Ecken von Japan kennen. Viel Spaß beim Entdecken!

 

Alle Bilder © Elisa Empl | japanliebe.de

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