Shintoismus Japanischer Reisgott Inari und die Fuchs-Schreine von Angela Troisi

16. Juni 2022

 

Mit viel Japan-Erfahrung kann unsere Digitalexpertin Angela Troisi bei der Japanischen Fremdenverkehrszentrale immer wieder ihr liebstes Reiseland vorstellen. Heute erzählt sie mehr über einen japanischen Fruchtbarkeitsgott des Shintoismus, die schon aufgrund ihrer Verbindung zu weißen Füchsen ihr Interesse weckte.

 

 

Inari - Japanischer Reisgott mit 5 Buchstaben?

 

Mein Vater hat eine Leidenschaft für Kreuzworträtsel. Deshalb begegnete mir vor Kurzem auch die Frage, die er mir als dem familienbekannten Japan-Experten stellte: „Japanischer Reisgott mit 5 Buchstaben?“. Es gibt auch die Kreuzworträtsel-Frage: „Natur- und Reisgott in Japan“. Die Antwort lautet: Inari oder Inari Okami.

 

Shintoistischer Natur- und Reisgott in Japan oder Gottheit von geschäftlichem Erfolg und Wohlstand?

 

Unter den im Shintoismus verehrten zahlreichen Gottheiten („kami“) zählt Inari zu einer der bekanntesten und beliebtesten in Japan. Millionen von Japanern kommen in die dem Inari geweihten japanischen Tempel und Schreine, um für Glück im Geschäft, gute Ernte, Frieden und Wohlstand zu bitten.

 

Tempel und Schreine? Tatsächlich ist Inari eine der wenigen shintoistischen Gottheiten, denen man gelegentlich auch in Buddhistischen Tempeln begegnet, wie zum Beispiel dem Saijo Inari in Okayama und dem Toyokawa Inari in der Aichi Präfektur, von dem ich später noch etwas mehr erzählen werde.

 

Der Inari-Kult ist sehr vielfältig, lokal unterschiedlich. Die Gottheit tritt in vielen Formen auf, wird männlich, weiblich oder als androgyner Bodhisattva dargestellt. Und daran sieht man schon eine Besonderheit: Inari wird auf sehr unterschiedliche Arten verehrt, mit verschiedenen Symbolen in Verbindung gebracht, manchmal auch als Zusammensetzung von drei bis fünf anderen kami gesehen. Die Gottheit ist widersprüchlich und schwer zu fassen, hat eine lange Geschichte, und trotzdem bis heute so beliebt.

 

Fuchsstatue im Fushimi Inari Schrein in Kyoto

 

Also Inari - Naturgott? Reisgott? Fuchsgott?

 

Sicher ist, dass Inari schon seit dem frühen 8. Jahrhundert als eine Landwirtschaftsgottheit verehrt wurde und heute noch mit Reis und Ernte und damit auch Wohlstand in Verbindung gebracht wird. Wahrscheinlich geht der Glaube an Inari aber sogar noch weiter zurück. Der Name Inari schon suggeriert eine Verbindung zum Wort ine () , das Reispflanzen bezeichnet, in der Vorzeit wahrscheinlich jedoch womöglich sogar ein anderes, noch älteres in Sümpfen und Marschen Japans beheimatetes Getreide gemeint haben könnte.

 

Fuchs auf Japanisch ist „kitsune“ – aber Kitsune sind auch sehr beliebte Geister und Fabeltiere, die in zahlreichen japanischen Legenden eine große Rolle spielen - sie können gut, böse, oder neckisch sein, vielfältig wie der Gott Inari. Tatsächlich begegnen einem viele Darstellungen von Füchsen, wenn man nach Inari sucht. Ist Inari also auch ein japanischer Fuchsgott? Nicht direkt. Füchse – genauer gesagt Inari Füchse mit ganz weißem Fell – gelten als die Boten der Gottheit. Deshalb findet man an Inari Schreinen in Japan auch immer wieder dem Bildnis des Fuchses als Symbol des Inari Okami.

 

Ema-Holztäfelchen mit Fuchsmotiv im Fushimi Inari Schrein in Kyoto

 

Wie sehen Inari Schreine aus?

 

Meist ist es auch ohne größere Kenntnisse der japanischen Religion ziemlich einfach herauszufinden, ob man in einen Inari-Schrein steht oder nicht. Sehr markant sind meistens die zinnoberroten 'Torii' genannten Tore, durch die man den Schrein betritt. Manchmal formen sie lange Wege, sogar Tunnel, durch die man in den Tempel wandert. Fuchsstatuen finden sich meist an den Toren sowie am eigentlichen Schrein. Meistens findet man sie in Paaren und häufig halten diese Fuchsstatuen einen symbolischen Gegenstand im Maul oder unter einer Vorderpfote – ein Juwel, einen Schlüssel, Reisbündel, Schriftrolle. Oft bekommen die Steinfüchse noch rote „Lätzchen“ (yodarekake) umgebunden, als Zeichen des Respekts und der Anbetung der Gläubigen.

Auch wenn es diese Symbolik in vielen Inari-Schreinen gibt, heisst das wenn man einen Inari Schrein gesehen hat, kennt man alle? Nicht ganz.

 

Die schönsten Inari Schreine für die Japanreise – meine Tipps

 

In ganz Japan gibt es über 35 000 Schreine, die Inari geweiht sind, wobei die aller meisten davon sehr einfache, kleine Schreine zum Beispiel am Wegesrand sind. Es gibt aber auch zahlreiche große Inari Schreine. Einige davon lassen sich auf einer Japanreise leicht besuchen und einige weniger bekannte, sind unbedingt einen Abstecher wert!

 

Torii-Tunnel und Wanderwege am Fushimi Inari Taisha in Kyoto

 

Fushimi Inari Schrein in Kyoto

 

Weithin bekannt sind die Fotos von langen Torii-Wegen des Fushimi Inari Taisha in Kyoto, der eine Hauptsehenwürdigkeit der Stadt darstellt. Der Schrein liegt etwas außerhalb gelegen auf dem Berg Ine. Der Fushimi Inari ist der Hauptschrein der Inari-Verehrung, die hier auch ihren Ursprung haben soll, und wurde im Jahr 711 gegründet, noch bevor Kyoto für einige Jahrhunderte Japans Hauptstadt wurde. Zehntausende Torii bilden hier regelrechte Tunnel und markieren hier wunderbare Wanderwege den Berg hinauf, mit dem Schrein als Ziel.

 

Hanazono Schrein in Shinjuku, Tokyo

 

Tokyo hat zwar keinen genauso beeindruckenden Gang aus Torii zu bieten, aber hier ist einer der Inari Schreine, die ich zufällig auf meiner aller ersten Japanreise entdeckte. Der Schrein liegt mitten im modernen Stadtteil Shinjuku nur ein paar Gehmeter entfernt vom Vergnügungsviertel Kabukicho und Golden Gai. Alleine den Kontrast zu erleben lohnt sich.

 

 

Yutoku Inari Schrein

 

Yutoku Inari jinja

 

Die wenigsten Reisenden planen Saga auf ihrer Japan Rundreise ein, obwohl es auch hier im ländlichen Raum zahlreiche wirklich beeindruckende Sehenswürdigkeiten gibt. Besonders empfehlen kann ich den Yutoku Inari Schrein. Die beeindruckende, strahlend rote Haupthalle befindet sich auf einer hölzernen Gitterstruktur 18m über dem Boden und kann über Wege den Hügel hinauf erreicht werden und bietet zahlreiche wirklich ikonische Ansichten der wunderbaren Landschaft. Der 1688 erbaute Yutoku Inari Schrein ist immer noch einer der größten Inari Schreine und mindestens genauso beeindruckend wie der Großschrein in Kyoto.

 

Takayama Inari Schrein

 

Der Takayama Inari Schrein befindet sich nicht etwa in der bekannten Stadt Hida Takayama in Gifu sondern weit im Norden in Tohoku in der Stadt Tsugaru in der Präfektur Aomori. Der Schrein ist bekannt für seinen gewundenen Pfad, der Besucher durch mehr als 200 rote Torii führt. Es gibt auch einen sehr malerischen japanischen Garten.

 

Taikodani Inari Schrein in Shimane

 

Der Taikodani Inari Schrein befindet sich in Tsuwano (das man auch „kleines Kyoto“ nennt) in der Präfektur Shimane und wurde 1773 auf dem Gipfel eines Berges errichtet. Der 15-minütige Spaziergang zum Schrein führt Besucher durch die dicht gedrängten, mehr als 1.000 roten Torii-Tore und mehr als 250 Steinstufen. Der Taikodani Inari Schrein ist für viele Dinge bekannt, darunter seine malerische Aussicht und die großen heiligen Strohseile, die über dem Halleneingang hängen.

 

Toyokawa Inari Schrein

 

Der Toyokawa Inari Schrein in der Stadt Toyokawa in der Präfektur Aichi ist etwas ganz Besonderes. Er ist einer der bedeutendsten Schreine für die shintoistische Gottheit Inari – aber eigentlich ein buddhistischer Tempel. Hier sind das Highlight nicht lange Reihen von roten Torii, sondern buchstäblich tausende Fuchsstatuen auf engem Raum. Ein Hingucker nicht nur für Fuchsfans. Der Tempel ist vom Bahnhof Nagoya aus mit Bus und Zug erreichbar.

 

Der Torii-Weg des Motonosumi-jinja in Yamaguchi | Foto: Nagato Tourism Convention Association

 

Motonosumi-jinja in Yamaguchi

 

Der Motonosumi-jinja ist wahrscheinlich der abgelegenste Inari Schrein, den ich hier vorstelle. Er liegt direkt am Japanischen Meer im Nordwesten der Yamaguchi Präfektur und hier hält weder Zug noch Bus. Am besten erreicht man den Schrein mit Mietwagen oder einem Taxi von der Nagato-Furuichi Station. Den Weg auf sich zu nehmen lohnt sich aber alleine schon wegen dem Ausblick. Man steigt durch einen Weg von 123 zinnoberroten Torii zum Schrein hinauf und kann dann den wunderbaren Anblick auf die wilde Küste genießen.

 

Auf meiner eigenen Bucketlist für zukünftige Japanreisen steht auch noch der kleine, eher unbekannte Keihin Fushimi Inari Shrine in Kawasaki in Kanagawa nicht weit von Tokyo, einem kleinen relativ neuen Schrein, in dem 108 farbenfrohe Fuchsstatuen die 108 irdischen Versuchungen der buddhistischen Lehre darstellen. Wenn ich es endlich hin schaffe, werde ich euch natürlich darüber berichten.

 

Inari Sushi – Füchse würden Tofu essen, oder?

 

„Inari? Reisgott? War das nicht Sushi?“

 

Wahrscheinlich ist das Wort Inari den meisten Lesern gar nicht zuerst in einem Kreuzworträtsel begegnet – sondern eher in im Sushi Restaurant. In der Form von Inari Nigiri sind euch die frittierten Tofu-Taschen (aburaage), die mit in Nigiri-Form gepressten Sushi Reis gefüllt sind vielleicht schon begegnet.

 

Das Inari Sushi (korrekt Japanisch umgeschrieben übrigens Inari Zushi) haben einen leicht süßlichen Geschmack und heißt nicht etwa nur wegen dem Reis nach dem „Reisgott“. Der Legende nach lieben die schon erwähnten kitsune Fuchsgeister aburaage, also die frittierten Tofutaschen. Noch dazu sehen die Inari Sushi wie kleine Reissäckchen aus. Die rechteckige Form, die an Reissäcke erinnert ist übrigens typisch im Osten Japans. Im Westen Japans findet man auch dreieckige Inari und üblicherweise wird hier auch verschiedes Gemüse und andere Zutaten in den Reis gemischt. Angeblich soll die Form dreieckige Form an ein Fuchsohr erinnern. Kein Wunder also, dass dieses Sushi Inari heißt.

 

Ihr werdet mitunter deshalb auch Inari Sushi als Opfergaben an Inari-Schreinen finden.

 

Und wenn ihr selbst euren Besuch im Schrein auf der Japanreise abrunden wollt, genießt doch selbst ein paar Inari Sushi – im Sushi Restaurant oder aus dem Konbini.

 

Kanntet ihr Inari Okami und die vielen Inari Schreine?

 

Es würde mich sehr freuen, von euren Besuchen in einem Inari Schrein zu hören. Vielleicht wollt ihr auch ein paar Fotos mit uns teilen? Und gibt es vielleicht noch einen Inari Schrein, den ihr auf der Liste vermisst? Kommentiert unseren Facebook-Post oder sendet eine DM auf Instagram @japantourismus. Ich antworte dort gerne selbst auf eure Kommentare!

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